Autonome Schule Zürich

Selbsthilfe nicht unnötig erschweren

Mit einer Menschenkette zwischen Lindenplatz und Farbhof protestierten am Mittwoch rund 300 Beteiligte gegen Polizeikontrollen in unmittelbarer Nähe der Schule.

Mit einer Menschenkette zwischen Lindenplatz und Farbhof protestierten am Mittwoch rund 300 Beteiligte gegen Polizeikontrollen in unmittelbarer Nähe der Schule.

Matthias Scharrer über die Balance zwischen Kontrolle und Raum – und über die Kunst, ein gesundes Augenmass zu wahren.

Sans-Papiers sind zwar illegal in der Schweiz. Doch sie sind da – und das in grosser Zahl. Gemäss Schätzungen leben allein im Kanton Zürich zwischen 20'000 und 30'000 Menschen ohne die nötigen Papiere: Flüchtlinge und Arbeitsmigranten auf der Suche nach einem besseren Leben, die als billige Hilfskräfte auch in vielen Schweizer Haushalten tatkräftig anpacken.

Einige hundert von ihnen besuchen die Autonome Schule Zürich (ASZ), um dort Deutsch zu lernen. Das vor sechs Jahren von der Sans-Papiers-Bewegung lancierte Projekt stellt eine sinnvolle Hilfe zur Selbsthilfe dar.

Daher macht es Sinn, dass die Stadt Zürich die ASZ gewähren lässt – und dass die Polizeiführung unter Stadtrat Richard Wolff (AL) der ASZ sogar zusicherte, die ASZ trotz des prekären Aufenthaltsstatus' ihrer Klientel nicht ständig mit Polizeikontrollen zu drangsalieren.

Allein: Die Abmachung wird nach Angaben von ASZ-Schülern und -Aktivisten nicht eingehalten. Gestern demonstrierten sie mit einer Menschenkette dagegen. Polizeikontrollen seien im Umfeld der Schule an der Tagesordnung, hiess es; dunkle Hautfarbe genüge offenbar, um in die Fänge der Polizei zu geraten.

Wolff zeigt sich im Interview mit der «Limmattaler Zeitung» überrascht über die Vorwürfe und will ihnen nachgehen. Gut möglich, dass im Polizeikorps so mancher die ASZ-freundliche Haltung des AL-Stadtrats ablehnt. Fest steht: Einfache Lösungen gibt es beim Thema Sans-Papiers nicht.

Die Polizei muss hinschauen, wo Menschen ohne legalen Aufenthaltsstatus sind. Sie muss dabei aber Augenmass wahren, sollte die sinnvolle Selbsthilfe der Migranten nicht unnötig erschweren – und ihnen mit Respekt begegnen.

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