Jetzt hat die neu gegründete Bewegung der Schweizer Reisenden neue Saiten aufgezogen: Sie nimmt sich den Platz, den sie braucht, beharrt so auf ihrem verfassungsmässigen Recht auf Lebensraum für das fahrende Volk in der Schweiz – und verhandelt dann mit den Behörden. Letztes Jahr sorgte sie so in Bern mit der Allmend-Besetzung für Aufsehen, dieses Jahr in Zürich mit der Hardturm-Besetzung. Und siehe da: Die Jenischen auf dem Hardturm halfen dem Zürcher Stadtrat auf die Sprünge.

Innert gut zwei Monaten schaffte Tiefbau-Vorsteher Filippo Leutenegger es, zumindest einen provisorischen Durchgangsplatz für die Jenischen freizuschaufeln. Mit der gestern von ihm mitunterzeichneten Nutzungsordnung für das Areal in der Nähe des Bahnhofs Altstetten anerkennt er den Anspruch der Fahrenden, der letztes Jahr auch im kantonalen Richtplan verankert wurde. Der frühere Fernsehmacher Leutenegger, seit gut einem Jahr Zürcher Stadtrat, hat damit bewiesen, dass er als Exekutivpolitiker auf aktuelle Probleme rasch und lösungsorientiert reagieren kann. Was Fahrende seit Jahren forderten, erhalten sie nun in Zürich. Na also, geht doch!

Die schwierigere Aufgabe kommt aber noch: Jetzt geht es darum, dauerhaft einen Durchgangsplatz für Fahrende in Zürich zu finden. Angesichts des Baubooms und der hohen Bodenpreise kein leichtes Unterfangen. Filippo Leutenegger bleibt gefordert.