Vordergründig deutet nichts darauf hin, dass das grösste jährliche Zürcher Volksfest gefährdet sein könnte: Die Aufbauarbeiten fürs Knabenschiessen laufen auf Hochtouren. Chilbibahnen wachsen in den Himmel. Der Rummelplatz beim Albisgüetli wird von Samstag bis Montag wieder Hunderttausende Besucher anlocken, wenn das Wetter einigermassen mitspielt. Doch die Schausteller sind offenbar in Not: Das Geschäft lohne sich kaum noch, sagen ihre Verbandschefs. Ein Grossteil der Schausteller komme nur noch aus Prestigegründen aufs Albisgüetli.

Das sind Alarmsignale, die es ernst zu nehmen gilt. Die Hintergründe mögen vielschichtig sein. Doch das Hauptproblem beim Knabenschiessen ist offenbar, dass die Schützengesellschaft der Stadt Zürich aus dem Grossanlass maximalen Profit ziehen will. Sie vergrösserte die Zahl der Stände und Bahnen auf dem Albisgüetli, um von den Betreibern möglichst viele Standgebühren kassieren zu können. Als Folge davon wird der Grossanlass für die Bahnen- und Standbetreiber allmählich finanziell unattraktiv.

Der Markt wirds richten, könnte man achselzuckend sagen. Doch hier geht es um ein Stück Volkskultur, das Hunderttausenden von Besuchern Jahr für Jahr viel Freude bereitet. Das sollte nicht dem kurzsichtigen Diktat der Profitmaximierung zum Opfer fallen – weder in Zürich noch bei den zahlreichen Chilbis auf dem Land, wo es die Marktfahrer und Schausteller ebenfalls schwer haben.