Die steuerliche Benachteiligung von Doppelverdiener-Ehepaaren bleibt bestehen. Die Heiratsstrafe beruht, vereinfacht gesagt, darauf, dass die Einkommen Verheirateter bei der Besteuerung zusammengezählt und nach einem abgestuften Berechnungsschlüssel mit mehr Steuerprozenten belastet werden. Ihre Steuerlast ist bei Doppelverdienern in vielen Fällen höher als jene von Unverheirateten. Aus dem gleichen Grund müssen auch Homosexuelle, die in eingetragenen Partnerschaften zusammenleben, draufzahlen. Eine Motion von GLP, BDP und CVP, die diese Ungerechtigkeit mit einem Splitting-Modell beheben wollten, scheiterte gestern im Zürcher Kantonsrat knapp mit 82:83 Stimmen. Den Motionären schlossen sich SVP und EVP an. SP, FDP, Grüne, AL und EDU hielten dagegen.

Am bestehenden System festhalten wollen allerdings auch die Gegner der Motion keineswegs, mit Ausnahme der EDU. Im Gegenteil. Aus den Voten war ein breiter, parteienübergreifender Konsens für einen grundlegenden Systemwechsel herauszuhören: Statt am bestehenden System herumzuflicken, wäre ein Übergang zur Individualbesteuerung angesagt. Damit müsste jeder und jede sein respektive ihr individuelles Einkommen versteuern. Dies entspräche den heutigen gesellschaftlichen Realitäten besser. Mann und Frau verdienen ihr Geld vermehrt individuell. Sie dafür steuerlich zu bestrafen, ist widersinnig. Mal ganz abgesehen davon, dass jede zweite Ehe geschieden wird. Für den Systemwechsel wäre der Bund zuständig. Er schiebt das heisse Eisen jedoch seit Jahren vor sich her. Es ist an der Zeit, es anzupacken. Ein Systemwechsel ist fällig.