Als vor einem Jahr der sich seit längerem abzeichnende Abstieg des Männerteams des HC Dietikon-Urdorf erfolgt war, stellten sich grundsätzliche Fragen nach der Zukunft dieser traditionsreichen Sportart in der Region. Die stellen sich auch heute noch, weil der Handball in Zürich und Umgebung grundsätzlich einen schweren Stand hat.

Aber es ist dem Verein gelungen, ein lautes Lebenszeichen auszusenden, mittels der grössten Triebfeder im Sport überhaupt: Erfolg. Das neuformierte Männerteam ist auf direktem Weg in die 1. Liga zurückgekehrt, die Frauen spielen nach dem Qualifikationssieg um einen Platz in der gleichen Spielklasse, die dritte Männermannschaft steigt in die 3. Liga auf, die zweite Frauenequipe in die 2. Liga. Darüber hinaus haben beide Fanionteams sowie die U19-Mannschaft den Zürcher Cup gewonnen. Hut ab!

In dieser Situation stellt sich die Frage nach der Nachhaltigkeit. Auf Nachwuchsebene fehlen weiterhin einige Jahrgänge, was eine Zusammenarbeit in Spielgemeinschaften unabdingbar macht. Auf längere Sicht gibt es hingegen positive Signale, dank der Werbung an Schulen. Die U13 meldet einen regen Zulauf, der Verein fasst die Gründung einer U11-Stufe ins Auge.

Den Frauen wird in der 1. Liga mehr zugetraut

Auf Aktivebene würde den Frauen im Falle einer Promotion durchaus zugetraut, einen Platz in der 1. Liga zu behaupten. Beim Aushängeschild des Vereins ist der Fall anders gelagert. Vor der Saison hiess es: Innerhalb von drei Jahren sollte für die Männer die Rückkehr in den überregionalen Handball erfolgen.

Dieser Horizont war gleichbedeutend mit Zeit für einen echten Aufbau und damit für eine Perspektive. Dass dies nach nur einem Jahr nicht möglich ist, liegt auf der Hand. Weil im HCDU Realisten am Werk sind, war die Sinnhaftigkeit eines direkten Wiederaufstiegs ein Diskussionsthema.

Doch niemand hegte ernsthaft die Idee, das Erreichen des ersten Platzes zu verhindern. Das wäre gleichbedeutend gewesen mit dem Tod des Leistungshandballs auf Männerstufe im Limmattal und ein irreparabler Imageschaden.

Die Männer brauchen mehr Komfort und Wertschätzung

Als Erstligist hat der HCDU automatisch ein besseres Image. Das kann dafür sorgen, dass er für den einen oder anderen erfahrenen Spieler von auswärts interessant wird. Und es sorgt ohnehin dafür, dass die Jungen im Kader mehr lernen.

Vereinspräsident Heinz Burla sagte es unlängst treffend: «Der Abstieg aus der 1. Liga würde mehr bringen als ein zweites Jahr in der 2. Liga.» Er meint damit, dass der Gewinn an Erfahrung infolge des Niveauunterschieds höher zu gewichten ist als die reinen Erfolgserlebnisse.

Der Verein wird weiterhin keine Spieler vergüten, könnte aber mit grösseren Sachleistungen wie Trainingsmaterial für etwas Komfort und das Gefühl der Wertschätzung sorgen. Das Fehlen jener Aspekte hat in der Vergangenheit bei manchen Zuzügen zu Irritation geführt.

Der Aufstieg ist der Anlass für eine neue Sichtweise des Vereins, beziehungsweise seines Umfelds. Denn in den vergangenen Jahren herrschte bei vielen, die die besseren Zeiten des Limmattaler Handballs noch miterlebt haben, zumindest unterschwellig die Meinung vor: Der HCDU gehört eigentlich in die Nationalliga B. Diese Haltung ist als illusorisch enttarnt. Von nun an ist schon die Zugehörigkeit in der 1. Liga als Erfolg zu werten. Das sorgt für Unbeschwertheit.