Steuerfall Dürnten

Man muss halt miteinander reden

Wer keine Steuererklärung einreicht, der wird von der Steuerbehörde eingeschätzt.

Wer keine Steuererklärung einreicht, der wird von der Steuerbehörde eingeschätzt.

Alle Konflikte haben mindestens zwei Seiten – in diesem Fall kann Oliver Graf beide nachvollziehen.

Am Ende hätte der 41-jährige Hilfsarbeiter aus Dürnten im Jahr mehr Steuern bezahlen müssen, als er mit seiner Arbeit verdient hat. Der Steuerfall, der im vergangenen Herbst publik wurde, erscheint auf den ersten Blick unglaublich.

Fehler haben die Behörden dabei nicht gemacht, sagt nun der Regierungsrat. Und indirekt sagt er auch: Der Dürntner, der wegen seiner Lese- und Schreibschwäche noch nie eine Steuererklärung eingereicht hat, hätte sich halt wehren müssen.

Das mag zynisch klingen. Man mag – und man darf durchaus auch – Mitleid mit dem von Zahlen und Buchstaben überforderten Mann haben. Aber wer keine Steuererklärung einreicht, der muss halt von aussen, von der anonymen Behörde in Zürich, eingeschätzt werden.

Und dass die Steuerbehörde den Betrag von Jahr zu Jahr einfach um happige 20 Prozent erhöht, wenn keine Reklamation und weiterhin auch keine Steuererklärung eingehen, ist ebenfalls sinnvoll. Denn die Annahme ist in der Regel richtig, dass, wer sich nicht wehrt, zu tief eingeschätzt wird und damit besser wegkommt, als wenn er brav und aufwendig seine Steuererklärung ausgefüllt hätte.

Um sich zu wehren, braucht es keine wohlformulierte Einsprache. Eine einfache, unverbindliche Frage, bei Kollegen oder bei der Verwaltung deponiert, hätte ausgereicht, um das Problem zu lösen. Dies hat sich ja auch gezeigt, als der Fall publik wurde.

Kollegen und Nachbarn sowie die Behörden haben rasch nach Auswegen gesucht. An der Gemeindeversammlung haben die Bürger unkompliziert eine «Schenkung» veranlasst. Die kantonale Steuerbehörde hat einen Teil der Schuld erlassen.

Meistgesehen

Artboard 1