Kommentar

Es geht um mehr als um ein «Festli»

Etwa 100 Aktivisten halten seit Freitag das Binz-Areal in Zürich besetzt. Das Bild vom vergangenen Freitag zeigt den Aufbau von Zelten.

Etwa 100 Aktivisten halten seit Freitag das Binz-Areal in Zürich besetzt. Das Bild vom vergangenen Freitag zeigt den Aufbau von Zelten.

Über das Wochenende wurde das Binz-Areal von Aktivisten besetzt. Die Polizei hielt sich zurück.

Eigentlich ist es ja nicht weiter schlimm: Auf einer Brache treffen sich ein paar Leute (gut, es waren 500), um zu feiern. Das kommt im Sommer doch immer wieder vor. Das Festli auf dem Binz-Areal, das ein paar Vertreter aus der Hausbesetzerszene inszenierten, um irgendwie gegen Wohnungsnot und Gentrifizierung zu protestieren, hätte an sich keine Wellen werfen müssen. Doch was rund um die Aktion unter dem Titel «Denk-mal» passierte, das gibt zu denken.

Dass die Stadtpolizei nicht gleich eingriff, ist an sich nachvollziehbar: Sie befürchtete Ausschreitungen, sie hätte mehr Vorbereitungszeit benötigt. Doch das beantwortet die Frage nicht, weshalb sich die Polizei schon wieder – wie etwa beim Saubannerzug an die teure Europaallee im Dezember 2014 – derart überraschen liess. Die Polizei, die in der Fussballszene ihre Kenner hat und dort durchgreift, müsste auch in anderen Szenen wissen, was läuft. Anlass zum (Nach-)Denken haben aber auch die Vertreter aus der Hausbesetzerszene. Von breiten Teilen der (städtischen) Bevölkerung wurde ihnen lange ein gewisses Wohlwollen entgegenbracht, da ihnen «Wohnungsnot» und «Gentrifizierung» bekannte Begriffe sind. Doch mit der nun wieder gezeigten Gesprächsverweigerung und vor allem mit ihren untolerierbaren Angriffen auf verschiedene Politiker schmilzt diese Unterstützung dahin – auch auf linker Seite.

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