Die sieben Regierungsratssitze dürften am Ende acht Kandidatinnen und Kandidaten unter sich ausmachen. Das Rennen ist dabei offen. Einfach zu prognostizieren ist, wer es nicht schaffen wird. Bei Nik Gugger, der von der EVP nominiert wurde, kann man mit viel Goodwill noch von gewissen «Aussenseiterchancen» sprechen. Der Winterthurer, der erst kürzlich in den Kantonsrat nachgerutscht ist, ist kantonsweit zu unbekannt. Zu klein ist die Wählerbasis für den EVP-Mann (sein Geschlecht – ein weiteres Handicap). Guggers Antreten ermöglicht ihm aber, auf den Regierungsratspodien dabei zu sein und sich und vor allem seine Partei im Wahlkampf in der Öffentlichkeit präsent zu halten. Das wird der EVP zwar keinen Sitz in der Exekutive einbringen, die Aufmerksamkeit kann aber für die gleichzeitig stattfindenden Kantonsratswahlen wichtige Stimmen einbringen.

Die Kandidatur der BDP ist ganz klar wahltaktisch bedingt; Parteipräsident Marcel Lenggenhager hat keinerlei Wahlchancen. Mit der Bewerbung will die leise Partei darauf aufmerksam machen, dass es sie im Kanton Zürich gibt (die BDP hält im 180-köpfigen Kantonsrat 6 Sitze, die es zu verteidigen gilt).

Bleiben für die sieben Regierungsratssitze einerseits die fünf bisherigen Mitglieder, die für eine weitere Legislatur antreten wollen: Volkswirtschaftsdirektor Ernst Stocker (SVP, seit 2010), Bauvorstand Markus Kägi (SVP, 2007), Gesundheitsdirektor Thomas Heiniger (FDP, 2007), Sicherheitsvorstand Mario Fehr (SP, 2011) und Justizminister Martin Graf (Grüne, 2011). Andererseits treten drei profilierte Politikerinnen neu an. Die FDP schickt, wie gestern berichtet, Kantonsrätin Carmen Walker Späh ins Rennen, die den Sitz der zurücktretenden Finanzvorsteherin Ursula Gut verteidigen soll. Die SP will Bildungsdirektorin Regine Aeppli durch Nationalrätin Jacqueline Fehr ersetzen. Und die CVP hofft, ihren 2011 verlorenen Sitz mit Kantonsrätin Silvia Steiner zurückzuerobern.

Alle drei Kandidatinnen verfügen über einen grossen Leistungsausweis. Alle drei sind als eigenständige Politikerinnen bekannt, die zwar durchaus Kompromisse schmieden können, aber bei wichtigen Anliegen auch an ihren Positionen festhalten und sich damit trotz des Wahlkampfes nicht scheuen, anzuecken. Und alle drei verfügen (unbesehen von ihren politischen Ausrichtungen) grundsätzlich über Regierungsrätinnenformat.

Unbestritten zu sein, schützt nicht vor einer Abwahl

Die drei Frauen werden damit im Wahlkampf die Männer aus ihrer Reserve hervorlocken. Die Fünfergruppe kann sich nicht auf ihrem Bisherigen-Status ausruhen. Akut von einer Nicht-Wiederwahl bedroht ist zwar keiner der Männer. Am ehesten als Wackelkandidat gilt Martin Graf. Der Justizminister hatte im Fall des unter dem Pseudonym «Carlos» bekannt gewordenen jugendlichen Straftäters hemdsärmlig (re-)agiert und hatte sich vom Volkszorn leiten lassen. Damit kam er zwar am Stammtisch gut an, dort hält sich aber nicht primär seine Stammwählerschaft auf. Die weiteren Männer im Gremium sind kaum öffentlich in Kritik geraten (einige sind auch kaum wahrgenommen worden). Aber vor vier Jahren war auch Sicherheitsdirektor Hans Hollenstein unbestritten. Der CVP-Regierungsrat lag in allen Umfragen gut im Rennen – am Ende fiel er zwischen Stuhl und Bank.

Dennoch: Das wahrscheinlichste Szenario ist, dass die fünf bisherigen Staatsmänner wiedergewählt und die drei neuen Kandidatinnen um die zwei verbleibenden Sitze kämpfen werden. Dank des bürgerlichen Grundstimmenpools in der Zürcher Landschaft hat Carmen Walker Späh die besten Voraussetzungen. Die Freisinnige aus der Stadt Zürich muss im Wahlkampf aber zeigen, dass sie auch auf dem Land ankommt. Bei der SP muss sich derweil weisen, ob Jacqueline Fehr in der Mitte genügend Stimmen holen kann. Sie ist zwar die (national) bekannteste Kandidatin. Für viele Bürgerliche vertritt sie aber zu linke Positionen. Dies könnte wiederum Silvia Steiner von der CVP zugutekommen. Dies setzt allerdings voraus, dass das bürgerliche Fünfer-Ticket stark ist. Wie lange die SVP aber zur Mittepartei hält, die ihrer Ansicht nach zu oft von ihr abweicht, ist offen.

Es ist also viel Bewegung drin. Die fünf Männer dürfen sich, wenn sie wiedergewählt werden wollen, in den kommenden 188 Tagen nicht verstecken; auch sie müssen sich positionieren. Die drei Frauen werden, um wahrgenommen zu werden, mit ihren Anliegen und Positionen für Diskussionen sorgen müssen. Für die Wählerinnen und Wähler sind das gute Vorzeichen: Der Wahlkampf wird spannend und verspricht eine echte Auswahl. Das tut dem Kanton Zürich gut.