Manchmal geht es schnell: Eben erst schien es, als ob die politische Karriere von Mario Babini beendet sei. Babini hatte 101 Tage in Untersuchungshaft verbracht, weil er in einer Bar mit einem Messer herumgefuchtelt haben soll (eine Anklage wegen Drohung, Tätlichkeiten, mehrfachen Hausfriedensbruchs und mehrfacher Sachbeschädigung steht). Die SVP hat den 58-Jährigen aus ihrer Fraktion geworfen. Nun sitzt der Wirtschaftsanalyst als einsamer Parteiloser im Grossen Gemeinderat der Stadt Zürich. Doch er, der Verstossene, ist nun während der Budget-Debatte der Mann der Stunde. Babini hat die Macht, die Debatte nach seinem Willen zu steuern.

Denn die Mehrheitsverhältnisse im 125-köpfigen Stadtzürcher Parlament sind eng: Die bürgerliche und die linke Seite kommen auf je 62 Stimmen. Ein Patt der beiden Blöcke hätte es etwa gegeben, als es darum ging, ob bei der Weiterbildung des Personals gespart werden soll (Babini entschied mit seiner Stimme: Ja, es soll). Ein Remis wäre auch zustande gekommen, als beraten wurde, ob den VBZ-Angestellten die Fahrvergünstigungen gestrichen werden sollen (Babini entschied: Nein, das wäre nicht so gut). SP-Mann Davy Graf merkte lachend an, dass eigentlich alle Parlamentarier nach Hause gehen könnten. Der Babini, der könne das Budget ja alleine beschliessen. Mehrere Gemeinderäte fanden das nicht lustig. Es kämen, kritisierten sie, zufällige Mehrheiten zustande. Allerdings: Immerhin entscheidet Babini ja im Einzelfall – allenfalls halt zufällig, aber immerhin nach persönlichem Gutdünken. Er hält sich nicht starr und stur aus Prinzip an eine Blockmeinung.