Dieser Kommentar wäre einfach zu schreiben: Er hat viel Geld und Macht – und deshalb gilt für ihn die Nachtflugsperre nicht. Es liesse sich einfach lamentieren: Nur weil der ehemalige Emir von Katar in den Skiferien einen Beinbruch erleidet, werden er und seine gesamte Entourage mit drei Riesenfliegern mitten in der Nacht eingeflogen – und all die Angestellten und Arbeiter, die um den Flughafen Zürich wohnen, werden aus dem Schlaf gerissen. Das Problem dabei: Dieser Kommentar wäre falsch.

Der Ärger um diese nächtlichen Anflüge von Scheich Hamad bin Khalifa Al Than, der sich nun in der Zürcher Schulthess Klinik von einer Hüftoperation erholt, geht am eigentlichen Problem völlig vorbei. Denn unerwartete Nachtflüge gibt es in Zürich häufig. 2014 wurden 65 Ambulanzflüge verzeichnet. Mehr als einmal pro Woche setzt also ein Flieger mit einer verletzten Person während der Nachtflugsperre zwischen 23.30 und 6 Uhr in Zürich auf. Natürlich, im Ausland verletzte Schweizer Touristen werden mit kleineren Maschinen zurückgeflogen. Und dies selbstverständlich auch nicht gleich in drei dröhnenden Maschinen. Das zeigt aber auch, der Emir-Flug war ein spezieller Einzelfall, der sich nicht so rasch wiederholen wird.

In der Aufregung um den reichen Patienten geht etwas unter: Zwischen 23 und 23.30 Uhr gilt auch schon eine Nachtruhe – doch können hier Verspätungen abgebaut werden. 2014 waren es 2310. Das sind mehr als sechs Flieger pro Nacht, die die Anwohner nicht schlafen lassen. Das sind zu viele. Das ist ein Fehler des Systems Flughafen Zürich. Aber da fliegt kein Emir mit, der für Aufregung sorgt.