Die Suche nach der passenden Lehrstelle kann schlaflose Nächte bereiten. Fragen schwirren im Kopf herum: Was möchte ich werden? Bin ich der Berufswelt gewachsen? Wo kann ich Karriere machen? Gibt es meinen Wunschjob in zehn Jahren überhaupt noch? Wie ergattere ich mir einen Arbeitsvertrag? Wie mit der Suche beginnen? Und vielleicht noch dies: Doch besser ins Gymnasium?

Entscheidender als die Lehre ist, sich weiterzuentwickeln

Gut ist: Die Zeiten, als mit der Lehrstelle eine Entscheidung fürs restliche Leben gefällt wurde, sind längst vorbei. Die Wahl eines bestimmten Berufes ist keine Sackgasse mehr. Das sollte auf Berufseinsteiger beruhigend wirken, denn wer weiss schon, ob ihn im Alter von 26 noch interessiert, was er mit 16 begonnen hat?

Das machen die Beispiele dreier Persönlichkeiten deutlich, die wir in der gestrigen Ausgabe der Limmattaler Zeitung porträtiert haben. Ihnen gemeinsam ist: Sie bauten ihre Karriere auf einer Lehre auf, die Jahrzehnte später mit ihrem heutigen Job zum Teil nur bedingt zu tun hat, von deren Erfahrungen sie aber profitieren. Und alle drei haben sich auch später im Leben weitergebildet, zwei haben sogar in andere Berufe gewechselt. Viel entscheidender als die spezifische Lehre ist also die Fähigkeit, sich weiterentwickeln zu können.

Die Beispiele verdeutlichen überdies: Der Weg über eine Lehre ist aufgrund der vielen Möglichkeiten viel besser als sein Ruf. Gemäss einer Studie der Universität Bern glauben noch immer vor allem gebildete Eltern, dass die Lehre geringeren sozialen Status biete. In städtischen Gebieten steht das Gymnasium bei den Schulabgängern höher im Kurs als in ländlichen. Dabei tun heute sogar jene gut daran, sich mit den Möglichkeiten der Berufsbildung auseinanderzusetzen, welche die Noten fürs Gymnasium haben. Das hängt nicht nur damit zusammen, dass der Weg auch über die Berufsmatur und Fachhochschulen an die Universität führen kann. Sondern auch damit, dass in Zeiten, wo Effizienz über alles gestellt und der Konkurrenzkampf härter wird, es ein unschätzbarer Vorteil ist, im Bewerbungsdossier auf Praxiserfahrung aus der Lehre verweisen zu können. Gut möglich also, dass die Fachhochschulen den Universitäten in bestimmten Bereichen den Rang ablaufen werden, weil die Wirtschaft ihre Abgänger bevorzugt.

Wer vor der Berufswahl steht, muss sich also weniger Sorgen um Karrieremöglichkeiten machen. Viel entscheidender dürfte sein, sich zum Start ins Berufsleben einer Ausbildung und einem Beruf zu widmen, dem Interesse, vielleicht sogar Leidenschaft entgegengebracht werden kann. Wer etwas gerne macht, tut dies besser. Wer etwas besser macht, dem eröffnen sich Chancen. Wer Chancen packen kann, der findet seinen Platz in der Berufswelt.

Die Qual der Wahl: 240 anerkannte Berufe

In der Schweiz gibt es rund 240 anerkannte Berufe. Das ist eine ganze Menge. Das Berufsinformationszentrum empfiehlt Schulabgängern deshalb zurecht, viele Fragen zu stellen. (Heute noch bis 17 Uhr ist dies zum Beispiel an der Berufsmesse in Zürich-Oerlikon möglich.) Denn wer viele Antworten erhält, erfährt mehr. Das hilft bei der Entscheidungsfindung – und ist ein gutes Mittel gegen schlaflose Nächte.