Kommentar

Volk will günstige Wohnungen – und zwar bald

Im Dietiker Limmatfeld wird der höchste Turm der Region gebaut - 80 Meter hoch. Er wird zum Symbol der aussergewöhnlichen Bautätigkeit werden.

Im Dietiker Limmatfeld wird der höchste Turm der Region gebaut - 80 Meter hoch. Er wird zum Symbol der aussergewöhnlichen Bautätigkeit werden.

Die Zürcher Gemeinden sollen Zonen für günstige Wohnungen festlegen können. Der Vorlage, die auf eine Initiative der SP zurückgeht, wurde gestern kantonsweit mit 58 Prozent Ja-Anteil angenommen. Nun muss die Regierung einen Vorschlag präsentieren.

Das Resultat verdeutlicht zweierlei. Erstens: Nicht nur Stadtzürcher und Winterthurer beschleicht angesichts steigender Mietpreise ein ungutes Gefühl, sondern auch Bewohner von Land- und Agglomerationsgemeinden. Buchstäblich besorgt sind die Einwohner von Dietikon und Schlieren. Die 62 respektive 63 Prozent Ja-Anteile zeugen von der Sorge vieler, sie könnten wie die Zürcher aus ihrem Wohnort vertrieben werden.

Zweitens: Das von linker Seite vorgebrachte Anliegen findet auch bei bürgerlichen Wählern breite Akzeptanz. Das lässt sich beispielsweise am Ja des Bezirks Dietikon ablesen. Oder an der überraschend hohen Zustimmungsrate im SVP-dominierte Bezirk Andelfingen.

Ob die Vorlage schnell genug umgesetzt werden kann, um die aktuelle Wohnbau- und Preisentwicklung korrigierend zu steuern, bleibt abzuwarten. Zunächst muss ein Vorschlag der Regierung auf den Tisch, der vom Kantonsrat diskutiert wird. Erst dann können interessierte Gemeinden entscheiden, ob sie ihre Bau- und Zonenordnung entsprechend anpassen wollen. Es werden Jahre vergehen.

Dennoch ist das Abstimmungsresultat als Willensäusserung bereits heute ernst zu nehmen. Wo die Stimmbürger für ein Ja votiert haben, darf die Gemeindeexekutive das Ergebnis durchaus als Aufforderung verstehen, schon heute günstigen Wohnraum zu fördern – auch mit anderen Mitteln.

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