Man hört sie schon stänkern, die Mahner, die in den Oktoberfesten nur Kommerz und fremdes Brauchtum sehen wollen. Halloween ist auch keine Schweizer Erfindung wie Ricola, und dennoch hat dieses Fest Eingang in den Jahreskalender und so manche Party gefunden. Dessen ungeachtet heisst die Devise in den nächsten Tagen wieder: Rein ins Dirndl, rein in die Lederhose und raus ins Festzelt. Die Bierzelte in Schlieren werden auch in den nächsten
Tagen wie jene in Zürich und erst recht in München wieder überquellen vor Partygängern.

Der Erfolg solcher Anlässe mag auf den ersten Blick erstaunen, denn er ist aufgrund der speziellen Befindlichkeiten, die wir Schweizer den geliebten und gehassten Deutschen gegenüber an den Tag legen, nicht zu erwarten. Auch wenn die Oktoberfeste der Region ihren Erfolgszug just in den Jahren antraten, in denen die Zahl der zugezogenen Deutschen so stark angestiegen ist, so kann dies nicht als alleiniger Grund für den Erfolg angesehen werden. Denn an den Festtischen wird alles andere als der bayrische Dialekt dominant. So mancher Gast wird sich zwar darin versuchen, ein originales «O’zapft is» von sich zu geben, es wird ihm aber schon misslingen, bevor das Bier die Zunge schwergemacht hat. Den Spass an der Sache mindert dies keineswegs – im Gegenteil.

Warum muss immer alles im Leben so bedeutungsschwanger sein und einen Sinn machen? Das Oktoberfest ist ein Rudelfest, Spass machts nur in Gesellschaft. Und ja, man darf auch mal, ohne gross nachzudenken, einen über den Durst trinken. Vielleicht ist gerade dies das Geheimnis des Erfolgs. In diesem Sinne: Prost!