Das Bundesamt für Statistik zählt immer mehr Mediziner aller Art, trotzdem steigen die Kosten unaufhaltsam an. Wir könnten an dieser Stelle mit dem deutschen Kabarettisten Volker Pispers schmunzeln, der angesichts dieser Entwicklung (die auch für Deutschland gilt) den Schluss zog: Mehr Ärzte machen die Bevölkerung nicht gesünder, sondern kränker. Das ist natürlich ein Witz.

Steigende Prämien: Recht hat, wer sich aufregt

Die Lage hingegen ist ernst: Die Krankenkassen rechnen für 2015 mit 2,3 Prozent Kostenwachstum pro Versicherten. Eine Folge davon sind steigende Prämien. Sie steigen im Kanton Zürich aber nicht um 2,3 Prozent – wie man denken könnte –, sondern um mindestens 4,5 Prozent. Vom Bundesamt für Gesundheit amtlich bewilligt. Das ist keine homöopathische Dosis, das treibt vielmehr den Blutdruck in die Höhe. Rund 200 Franken pro Kopf und Jahr werden die Zürcher nächstes Jahr mehr bezahlen müssen. Für viele Leute ist die Schmerzgrenze längst erreicht. Kein Wunder, tobte der Zürcher Gesundheitsdirektor Thomas Heiniger am Donnerstag: «Das ist nicht nachvollziehbar.» Da hat er völlig recht.

Wo hingegen die Ökonomie im Gesundheitssektor funktioniert, lässt sich derzeit im Limmattal beispielhaft beobachten. Die Bevölkerung wächst und damit die Zahl der Patienten. Hippokratischer Eid hin oder her – unter diesem Gesichtspunkt ist jeder Kranke eben auch ein Kunde und das Limmattal ein umkämpfter Markt geworden – erst recht, weil in der Schweiz grundsätzlich die freie Spitalwahl gilt.

Eine Kernfrage für Spitäler wie das «Limmi« lautet: Wie kommen sie zu Patienten? Natürlich lockt der Ruf, erstklassige Leistungen zu erbringen. Doch es geht auch anders. Das Zauberwort heisst: Lenkung des Patientenstroms. Gute Kontakte zu den Hausärzten erhöhen die Chance, dass diese ihre Patienten ins «Limmi» schicken. Oder: Der Rettungsdienst des Spitals Limmattal deckt neu auch das Furttal ab und bringt – wann immer möglich – die Patienten ins Spital Limmattal. Das Kantonsspital Baden wählt eine weitere Methode. Es wildert quasi im natürlichen Marktgebiet des «Limmi». So hat es in Dietikon einen Vorposten in Form einer Frauenarztpraxis eröffnet. Auch hier gilt: Wann immer eine Spitalbehandlung notwendig wird, soll diese in Baden erfolgen können – und nicht im näheren Spital Limmattal.

Doch auch bei der Spitalwahl gilt: Mehr Spitäler senken die Gesundheitskosten nicht. Wer im Bezirk Dietikon wohnt, hat die Wahl zwischen den Spitälern Limmattal, Triemli, Waid, dem Universitätsspital oder eben Baden – Privatspitäler gar nicht aufgezählt. Alle sind in kürzester Zeit erreichbar. Das sind aus Sicht der Patienten beste Marktbedingungen, günstiger ist Medizin hier trotzdem nicht zu haben.

Die Fieberkurve des Gesundheitswesens steigt

Das Spital ist nur ein Player. Das Gesundheits-Monopoly kennt viele Mitspieler, und jeder will gewinnen: Spitäler, Ärzte, Krankenkassen, Medikamentenhersteller, Apotheker. Die Gesundheitskosten betragen in der Schweiz bereits rund 70 Milliarden Franken, das sind rund 12 Prozent des Bruttoinlandprodukts – die Fieberkurve steigt.

Im Gesundheits-Monopoly macht nur einer nicht richtig mit, obwohl er der zentrale Spieler ist: der Patient und Kunde, der alles bezahlt. Der Beweis: Keine 10 Prozent nutzen die Möglichkeit des jährlichen Wechsels zu einer günstigeren Kasse. Dabei entscheidet das Kundenverhalten den Preis mit. Doch der Patient ist ein schlechter Spieler. Sein Einsatz ist stets zu hoch. Im Gegensatz zum Konsumenten wählt er nicht den günstigsten Preis, sondern die vermeintlich beste und damit oft teuerste Behandlung. Daran sollten wir denken, wenn uns das nächste Jahr die Sinne angesichts steigender Prämien zu schwinden drohen.