Die Vornoten werden im Rahmen der Aufnahmeprüfung von der Sekundarschule ans Gymnasium nicht mehr bei der Gesamtnote berücksichtigt. Dieser Entscheid des Zürcher Bildungsrats tritt auf nächstes Schuljahr in Kraft. Eine Mehrheit der kantonsrätlichen Kommission für Bildung und Kultur fordert jetzt eine Rückkehr zur früheren Regelung. Denkbar sei sowohl der Einbezug der Vornoten wie auch eine Empfehlung der zuständigen Lehrperson.

Dass die Bildungskommission die Debatte neu aufrollt, ist zu begrüssen. Denn sie erinnert sich an die Chancengleichheit in der Schweizer Volksschule. Bei gleicher Intelligenz und schulischer Leistung sollen Kinder und Jugendliche dieselben Möglichkeiten haben. Dieser Grundsatz ist in Gefahr. Rund um die Gymiprüfungen ist eine ganze Industrie entstanden: Nachhilfestunden und Vorbereitungskurse gibt es in grosser Zahl. Sie kosten nicht nur Geld, die Kommission für Bildung und Kultur schaut es auch als erwiesen an, dass sie Erfolg bringen. Um ganze 9 Prozent erhöht sich dabei die Chance, die Gymiprüfung zu bestehen. Damit wird gleichzeitig klar: Wer das Glück hat, in eine Familie geboren zu sein, die sich diese Kurse leisten kann, der ist im Vorteil. Genau das aber widerspricht dem Prinzip der Chancengleichheit.

Dieser Umstand ist deshalb umgehend zu korrigieren. Es bleibt zu hoffen, dass der Kantonsrat den Antrag seiner Kommission aufgreift und entsprechend entscheidet. Die Chancengleichheit ist ein wesentliches Merkmal einer demokratischen, gerechten Gesellschaft und Garantin des sozialen Friedens im Lande. Sie darf nicht geopfert werden.