Diese Massnahme ist Teil eines massiven Sparpakets, das der Regierungsrat etwas euphemistisch als «Leistungsüberprüfung» betitelt: Bis zu 700 Millionen Franken sollen von 2017 bis 2019 jedes Jahr wegfallen. Der Grund dafür ist der gesetzlich vorgeschriebene Finanzausgleich: Dieser würde in der relevanten Periode von 2012 bis 2019 um ganze 1,8 Milliarden verfehlt, wenn der Regierungsrat nicht spart oder Mehreinnahmen generiert.

Das Letzteres als Resultat einer Steuererhöhung nicht infrage kommt, hat Finanzdirektor Ernst Stocker (SVP) bereits deutlich gemacht. Man wolle der Wirtschaft signalisieren, dass der Standort Zürich stabil sei, sagte Stocker, der nun stattdessen überall dort sparen will, wo die Ausgaben besonders stark steigen.

Damit befindet er sich in guter Gesellschaft: In Baselland haben die Lehrpersonen, denen – wie dem Rest des Staatspersonals – der Lohn um 1 Prozent gekürzt wurde, einen Brief vom Regierungsratspräsidenten bekommen. Darin heisst es, die Regierung habe keine andere Wahl, «Steuererhöhungen sind nicht mehrheitsfähig».

Darum muss gespart werden. Im Kanton Zürich zum Beispiel bei den Spitälern (228 Millionen), im öffentlichen Verkehr (134 Millionen) oder eben bei den Schulen. Dort will der Regierungsrat bei den Volksschulen 20 Millionen streichen, was etwa 4,5 Prozent des letztjährigen Budgets entspricht, bei den Mittelschulen 18 Millionen (5 Prozent) und bei den Berufsschulen 11 Millionen (3 Prozent).

Was genau wegfallen soll, ist noch nicht klar: Die konkreten Sparmassnahmen gibt die Regierung voraussichtlich Ende März bekannt.

Bedeutung der Bildung für die Volkswirtschaft ist unbestritten

Doch bereits jetzt sind Bildungsexponenten in Alarmbereitschaft. Am kommenden Mittwoch planen sie einen «Tag der Bildung» mit diversen Protest- und Informationsanlässen. Zudem haben schon mehr als 14 000 Personen ein Zürcher Manifest unterzeichnet, in dem sie «ausdrücklich vor den langfristigen Folgen einer kurzfristigen Sparpolitik» warnen und ein «mutiges Bekenntnis zur Bildung und ihren Institutionen» fordern. Der Bildungsplatz Zürich sei internationale Spitze, schreiben sie. Er werde es aber nur bleiben, «wenn wir bereit sind, den notwendigen Rahmen dafür zu garantieren.»

Damit spricht das Manifest den grossen Zusammenhang an, in dem sich die geplanten Sparmassnahmen bewegen: Bildung ist eines der kostbarsten Güter einer Gesellschaft, weil sie Zufriedenheit, Wohlstand und Friede fördert. In der Schweiz, der es an Rohstoffen mangelt, ist Bildung gar die wertvollste Ressource. Ihre zentrale Bedeutung für die Schweizer Volkswirtschaft lässt sich nicht abstreiten.

Nun reicht es aber nicht, auf den Wert der Bildung zu verweisen und sich infolgedessen sämtlichen Sparbemühungen zu verweigern. Denn wenn der Kanton seinen Haushalt nicht in den Griff bekommt, droht ihm ein massives Finanzloch, dessen Folgen heute noch schwer abzuschätzen sind – das aber die kommende Generation zweifelsohne belasten würde.

Die Unterstützer des Bildungsmanifests weisen denn auch darauf hin, dass sie sich dessen bewusst und bereit seien, Verantwortung zu übernehmen. Wenn sie dies auch so nicht sagen, muss das konkret heissen, dass auch der Bildungsbereich zumindest einen Teil der Sparmassnahmen trägt.

Wo kann man sparen, ohne die Qualität des Systems zu schädigen?

Die Frage ist nur: Wo kann man in der Bildung sparen, ohne dass die pädagogische Qualität beeinträchtigt und das System nachhaltig geschädigt werden? Die Antwort ist nicht einfach – besonders, weil Bildungsdirektorin Silvia Steiner (CVP) die offensichtlichsten Möglichkeiten bereits selber aus dem Rennen genommen hat.

Dazu gehört der Verzicht auf die Hauswirtschaftsschule und das Thema Klassengrössen – obwohl gerade dieses finanziell besonders einschenken würde. Zudem betonen diverse Experten, dass grössere Klassen sich nicht negativ auf den Bildungserfolg auswirken.

Zum Thema werden dürfte hingegen die Abschaffung der Freifächer an Gymnasien, eine zusätzliche unbezahlte Ferienwoche für Mittelschullehrer und vor allem eine Überprüfung der Bildungsverwaltungen. Diese sind in den letzten Jahren stark gewachsen und werden von vielen als zu aufgeblasen betrachtet. Allein: 49 Millionen Franken sind dort nicht zu holen.

Will man mehr sparen, kommt man unweigerlich bei Themen an, die an die pädagogische Substanz gehen. So ist es unbestritten, dass die Qualität eines Bildungssystems direkt von der Qualität des Unterrichts und somit der Lehrpersonen abhängt.

Wenn wir das Unterrichtsangebot einschränken und die Anstellungsbedingungen der Lehrpersonen verschlechtern, fügen wir unserem Bildungssystem einen Schaden zu, der längerfristig viel grösser sein wird als der kurzfristige Nutzen der Sparmassnahmen. Das sollten wir auf keinen Fall riskieren.

Denn Investitionen in die Bildung sind immer auch Investitionen in die Zukunft: Gut ausgebildete Menschen werden besser entlöhnt und steigern somit auch die Kaufkraft der Bevölkerung, was die Wirtschaft in Schwung bringt und somit den Wohlstand einer Gemeinschaft fördert – die wiederum mehr in Bildung investieren kann.

Dieser Kreislauf macht Bildung zu einem praktisch unbezahlbaren Gut, wie schon John F. Kennedy einst sagte: «Es gibt nur eines, was auf Dauer teurer ist als Bildung: Keine Bildung.»