Die Limmattalbahn ist ein Symbol – ein Symbol für eine sich verändernde Welt, ein sich veränderndes Zürich, ein sich veränderndes Limmattal. Das gefällt nicht allen Leuten, ja, es macht einigen sogar Angst.

Der Kantonsrat aber glaubt, dass die Veränderungen mit der Limmattalbahn besser bewältigt werden können als ohne. Er ist sich sogar sicher, dass dem Bevölkerungs- (+17% bis 2030 ) und Arbeitsplatzwachstum (+29%) mit einem Gesamtverkehrskonzept begegnet werden muss, das in den Bereichen öffentlicher Verkehr und Individualverkehr freie Fahrt garantiert. Das überdeutliche, fast einstimmige Ja des Kantonsrats zur regierungsrätlichen Vorlage «5111» ist Ausdruck dieses Willens und ein für die Region wegweisender Entscheid.

Die Zustimmung konnte zuletzt erwartet werden

Bewilligt hat der Kantonsrat gestern Staatsbeiträge in Höhe von maximal 646,6 Millionen Franken für den Bau der Stadtbahn von Altstetten bis Dietikon (Kantonsgrenze) sowie Kapazitätserweiterungen am Strassennetz. Maximal deshalb, weil vom Bund im Rahmen seiner Agglomerationsprogramme ein substanzieller und abgesprochener Beitrag erwartet werden kann. Insgesamt kostet die Limmattalbahn zwischen Altstetten und Killwangen 755 Millionen, die sich Zürich und Aargau sowie der Bund teilen.

Ein Ja zur Vorlage durfte zuletzt erwartet werden, wie eine Umfrage der Limmattaler Zeitung letzte Woche zeigte. Die elf Limmattaler Kantonsräte haben in ihren Fraktionen ganze Arbeit geleistet und ihre Kolleginnen und Kollegen von der Wichtigkeit der Vorlage überzeugt. Dass sogar die sehr öV-kritische SVP-Fraktion der Vorlage fast geschlossen zugestimmt hat, sagt viel über die breite Akzeptanz der Limmattalbahn im Kantonsrat aus. Schliesslich haben sich die Städte und Gemeinden im Bezirk Dietikon und im ganzen Limmattal mehrfach öffentlich zur Bahn bekannt und Zeichen gesetzt.

Die Zustimmung ist letztlich aber auch Ausdruck des pragmatischen Weges, den Zürich eingeschlagen hat. Projekte des öffentlichen Verkehrs werden mit solchen des Individualverkehrs verknüpft und umgekehrt. Erstens, weil ihnen nur so über alle Parteigrenzen hinweg Erfolg beschieden ist. Zweitens, weil die Abhängigkeiten und Zuständigkeiten der verschiedenen Verkehrsträger untereinander erkannt sind. Das eine ist ohne das andere nicht denkbar. Klar ist auch hier: Die Limmattalbahn-Vorlage ist mehr als ein Bahnprojekt, das wurde im Rat zu Recht betont. Sie beinhaltet die Beseitigung von Strassenengpässen und bringt die Idee der Zentrumsumfahrungen von Dietikon und Schlieren zu einem guten Ende. Dafür haben die beiden Städte jahrelang gekämpft.

Doch nicht alle Limmattaler sehen die Stadtbahnidee so positiv. Wie jedes Grossprojekt hat auch die Limmattalbahn Gegner. In Schlieren erwuchs der Widerstand aus dem Spitalquartier, das für Ruhe und Schutz des Wohneigentums kämpft. In Dietikon stemmen sich Kritiker unter Führung von vier alt Stadträten gegen die fortlaufenden Veränderungen. Beiden Gruppen gemeinsam ist, dass sie die Limmattalbahn mittlerweile total ablehnen und für einen Busbetrieb votieren. Das klingt dann so: Die Bahn ist zu teuer, zu gefährlich, zu unflexibel und sie behindert den übrigen Verkehr.

Diese Argumente halten einer genaueren Prüfung aber nicht stand. Für die Limmattalbahn spricht:

Die Kosten: Das Beispiel Glattal hat gezeigt, dass sich die Investition in eine Stadtbahn lohnt, jeder investierte Franken vielfach zurückkommt. Es gibt keine Indizien, die dafür sprechen, dass dies im Limmattal anders sein wird.

Die Sicherheit: Der Blick in die Statistik zeigt, die Bahn ist ein sicheres Verkehrsmittel.

Die Erschliessung: Die Limmattalbahn wird dort gebaut, wo der Siedlungsgürtel verdichtet, letzte Siedlungsgebiete erschlossen werden. 50 Prozent des zusätzlichen Verkehrs müssen per öV bewältigt werden können, so die Kantonsvorgaben. Dazu braucht es die Bahn.

Freie Fahrt: Die Bahnlinie wird so gelegt, dass sie den übrigen Verkehr möglichst nicht behindert, dank 92 Prozent Eigentrassee. Aber es gilt auch: In städtischem Raum hat der öV Vortritt vor dem Individualverkehr.

Die Attraktivität: Die Limmattalbahn ist ein Tram. Ein solches geniesst bei den Passagieren höhere Akzeptanz als Busse, die Kapazitäten sind höher.

Man kann die rasante Entwicklung im Limmattal als Fortschritt glorifizieren oder als Rückschritt verteufeln – gewiss ist einzig, aufhalten lässt sie sich nicht. Es ist besser, man gestaltet sie mit. Eine fahrende Limmattalbahn ist deshalb auch ein Symbol dafür, dass die Region ihr Schicksal in der eigenen Hand hält. Sollte das Volksreferendum der Bahnkritiker zustande kommen, was in diesem Herbst zu einer Urnenabstimmung führen würde, gilt es daran zu denken.