Seit 2005 verfügt Schlieren über ein Stadtentwicklungskonzept, eines, das in Fachkreisen und in den Nachbargemeinden aufgrund seiner umfassenden Herangehensweise starke Beachtung fand. Die entscheidende Frage: Schafft Schlieren die Verwandlung vom hässlichen Entlein zum strahlenden Schwan?

Am Anfang stand ein trostloses, verkehrsdominiertes Zentrum, von dem der Stadtrat genug hatte. Kein Wunder: Diese Visitenkarte prägte das Image Schlierens negativ. Aber weil eine Stadt nicht nur aus dem Ortskern besteht, wurde gleich ganz Schlieren Gegenstand von Entwicklungsüberlegungen. Seither ist vieles passiert – und so manches darf positiv gewertet werden. Über tausend moderne Wohnungen, Dutzende Firmengebäude wurden gebaut. Der Verkehr wurde teilweise aus dem Zentrum in die Umfahrung gedrängt, es gibt weitere Pläne. Auch der Bevölkerungsmix hat sich verbessert: Wer nach Schlieren zieht, ist gut (aus-)gebildet, gleichzeitig jünger. Die Steuererträge sind damit noch nicht gestiegen, dafür sind Sozialhilfe- und Arbeitslosenquote gesunken, trotz steigendem Ausländeranteil (heute: 45 Prozent).

Doch ausgerechnet im Zentrum, Ausgangsort aller Planungen, stockt die Entwicklung. Anders als bei den Industriebrachen, wo private Investoren die treibenden Kräfte darstellen, ist es dort der Stadtrat. Und diesem gelingt es nicht, Ideen zu konkretisieren, aus folgenden Gründen: Erstens streiten sich Politik, Gewerbe und Wirtschaft über den Charakter des Stadtkerns, wodurch eine Pattsituation herrscht. Zweitens erschwert die Koordination mit dem Kanton die Vorgehensweise. So ist zwar durchaus klar, was in neuen und alten Quartieren geschehen soll, doch es ist noch völlig offen, wie das Zentrum zwischen «Parkside», «Lilie» und Stadtpark gestaltet werden soll. Das Zentrum, die Visitenkarte einer Stadt? So betrachtet hat sich in Schlieren trotz vieler positiver Ansätze zu wenig getan.