Und damit nicht genug. Sie bringe «die unersetzbare Wurzel echter Schweizer Werte wie Solidarität, Freiheit und Demokratie» zum Ausdruck. Die beiden folgern daraus, dass für die Zürcher Schülerinnen und Schüler «das Erlernen und Singen der Schweizer Nationalhymne» Pflichtstoff werden soll. Nun, dagegen ist an und für sich nichts einzuwenden. Zürich wäre in guter Gesellschaft, denn eine solche Regelung gibt es beispielsweise bereits im Aargau, übrigens auch auf Anregung der SVP.

Es stellt sich allerdings die Frage, ob der Fokus richtig gesetzt ist. Solidarität, Freiheit und Demokratie sind nicht allein Schweizer Werte. Sie dürften von ziemlich allen westlichen Ländern geteilt werden. Zielführender wäre es wohl, wenn an den Zürcher Schulen statt gesungen, vertiefte Kenntnisse über die Schweizer Geschichte vermittelt würden – und zwar bis in die heutige Zeit. Das ist zwar per Lehrplan vorgegeben, die Realität sieht oft anders aus.

Am Schluss der Schulzeit müssen noch zwei Jahrhunderte im Eilzugstempo aufgearbeitet werden. Das kann nicht funktionieren. Die Erfahrung zeigt, dass fundiertes historisches Wissen über die moderne Schweiz in der Bevölkerung weitgehend fehlt. Sowohl bei Jugendlichen als auch bei Erwachsenen. Die Diskussion um Marignano hat deutlich gemacht, dass Verklärung noch immer Aufklärung vorgezogen wird. In diese Kategorie gehört auch die Überhöhung der Bedeutung der Nationalhymne.