Es war ein emotionaler Entscheid: Über 53 Prozent der Bevölkerung im Kanton Zürich stimmten 2011 dafür, dass im Kindergarten «grundsätzlich» nur noch Mundart gesprochen werden soll. Die Befürworter wollten den Dialekt stärken, um die «kulturelle Identität» zu wahren. Schweizerdeutsch zu lernen, fördere ausserdem die Integration fremdsprachiger Kinder, hiess es. Eine Umfrage bei Schulen mit hohem Ausländeranteil lässt nun aber darauf schliessen, dass der Volksentscheid gerade aus integrativer Sicht ein Eigentor war.

Denn: Der Wechsel zur Mundart erschwert fremdsprachigen Kindern das Erlernen von Hochdeutsch – der Unterrichtssprache in der Schule. Statistisch erhoben hat die kantonale Volksschuldirektion dies zwar nicht. Doch einige Schulen, die am Programm «Qualität in multikulturellen Schulen» teilnehmen, stellten fest, dass Kindergärtler nach dem Übertritt in die Unterstufe heute mehr Mühe dabei bekunden, Hochdeutsch zu lernen und sich von Dialekt-Satzstellungen zu lösen.

Befürworter der Mundart-Initiative sehen es wohl als Erfolg, dass die Migrantenkinder Dialekt lernen. Doch in Bezug auf deren gesellschaftliche Integration wäre diese Wertung kurzsichtig: Denn im Zeugnis gibt es keine Note für das Fach «Mundart». Vielmehr sind auf der weiteren Laufbahn gute Deutschkenntnisse gefragt. Statt diese Fähigkeiten bereits im Kindergarten aufzubauen, müssen Schulen das Manko fremdsprachiger Schüler nun mit teuren Fördermassnahmen ausgleichen. Gelingt dies nicht, wird die Mundart gar zu einem Integrationshindernis: Denn es ist längst erwiesen, dass berufliche und soziale Integration Hand in Hand gehen.