Chief Happiness Officer

Sie dürfen ruhig weiter leiden

Der Chief Happiness Officer sorgt für glückliche Mitarbeiter und Kunden. (Symbolbild)

Der Chief Happiness Officer sorgt für glückliche Mitarbeiter und Kunden. (Symbolbild)

Bettina Hamilton-Irvine über interessante Berufsbilder, das Streben nach Glück und das Recht, unglücklich zu sein.

Suchen Sie eine neue berufliche Herausforderung? Ich hätte da einen Vorschlag. Wie wärs mit einem Job als Chief Happiness Officer, zu Deutsch: Glücksvorstand? Kein Witz, den Job gibt es. So viel ich weiss, wird es zwar im Limmattal, wie auch in der ganzen Schweiz, bisher noch schwierig sein, eine solche Stelle zu finden. Doch in den USA gibt es Möglichkeiten. Dort existiert die Berufsbezeichnung bereits seit einer Weile.

Die Aufgabe des Glücksvorstands ist es, dafür zu sorgen, dass es den Angestellten gut geht. Das macht Sinn: Denn die Firmen haben realisiert, dass sich das Konzept auch wirtschaftlich auszahlt. Glückliche Arbeitskräfte arbeiten besser, sind effizienter, motiviert, kreativer und belastbarer. Sie sind gesünder und bleiben dem Unternehmen länger erhalten.

Zudem haben sie glücklichere Kunden und verdienen mehr Geld, wie der Chief Happiness Officer der dänischen Firma Wohoo der Zeitung «Welt» sagte: «Der beste Weg, Kunden glücklich zu machen, ist es, glückliche Angestellte zu haben, weil die sich am besten um sie kümmern.»

Das Anforderungsprofil? Sie sollten selbst glücklich sein und andere von Natur aus zu Glück inspirieren können. Ihre Aufgaben? Das Organisieren von Festen, Anlässen, Aktivitäten, Trainings und anderem, das den angestellten Frauen und Männern hilft, entspannter und zufriedener zu sein und besser zu arbeiten.

Das alles klingt grossartig, finde ich. Aber eine Frage stellt sich mir doch noch: Was ist mit den Menschen, die gar nicht glücklich sein wollen? Von denen gibt es schliesslich einige auf diesem Planeten. Menschen, die sozusagen nur glücklich sind, wenn sie unglücklich sind. Die sich total ins Zeug legen, um immer irgendetwas zu finden, über das sie sich aufregen können, und die in allem ein weiteres Indiz sehen, dass die Welt böse ist und es schlecht mit ihnen meint.

Stellen Sie sich mal vor, sie haben es sich zur Lebensaufgabe gemacht, so richtig unglücklich zu sein, und es läuft eigentlich ziemlich gut. Dann kommt da plötzlich so ein Schnösel, den ihre Firma bezahlt hat, und versucht, sie gewaltsam zum Glücklichsein zu zwingen. Furchtbar. Da wäre dann nur zu hoffen, dass Sie sich darüber dermassen aufregen können, dass es Sie ganz unglücklich macht.

Bettina Hamilton-Irvine ist Stellvertretende Chefredaktorin der Limmattaler Zeitung. Sie wohnt in Dietikon.

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