Ja, ich bin ein Sprach-Nerd. Ich liebe alles, was mit Worten zu tun hat und reagiere gern mit einer Mischung aus Entsetzen und Belustigung auf sprachliche Fehltritte.

So toleriere ich es beispielsweise nicht, wenn meine Freunde im Restaurant nach einem Tablar fragen. Mit Verlaub: Ein Tablar ist ein Regalbrett, ein Tablett hingegen ein Servierbrett. Auf diesem Unterschied muss ich bestehen – ich will schliesslich nicht mitverantwortlich sein für den Niedergang der deutschen Sprache. In den allermeisten Fällen finde ich sprachliche Missgeschicke aber einfach lustig. Eine meiner Lieblingsgruppen auf Facebook heisst «Perlen des Lokaljournalismus» und beglückt mich mit grossartigen Sätzen wie: «Die Frau bemerkte das Fehlen der Geldbörse erst, nachdem diese verschwunden war.» Oder: «Polizei steht wegen starkem Alkoholeinfluss vor schwierigen Ermittlungen.» Schön auch: «Die niederprasselnden Glassplitter schnitten einem vorübergehenden Mann in den Arm.»

Weniger lustig finde ich hingegen abgedroschene Sprachbilder. Wenn ich von einer «musikalischen Reise um die Welt» oder einem «bunten Strauss von Melodien» lese, könnte ich schreien. Umso unangenehmer ist es mir, dass ich kürzlich selber eine sprachliche Sünde begangen habe. So habe ich in einem Kommentar in dieser Zeitung geschrieben, man könne Äpfel nicht mit Birnen vergleichen. Das ist nicht nur abgelutscht und unoriginell, sondern auch absoluter Gugus, wie mir ein Leser ganz zu Recht mitteilte. Schliesslich gibt es keinen Grund, wieso man Äpfel und Birnen nicht vergleichen könnte. Denn gemäss Wikipedia ist ein Vergleich eine Methode, die zur Erkenntnis von Gemeinsamkeiten oder Unterschieden zwischen Objekten führen soll. Dafür eignen sich Äpfel und Birnen doch geradezu perfekt.

Da gibt es nur eins: Asche auf mein Haupt! Und zur Wiedergutmachung gelobe ich hier ganz offiziell, dass ich in Zukunft öfters Kernobst vergleichen werde. Sie haben mein Wort.

Bettina Hamilton-Irvine ist Stellvertretende Chefredaktorin der Limmattaler Zeitung. Sie wohnt in Dietikon.