Unser Leben wird schnörkelloser. So viel steht fest, nachdem der Bildungsrat gestern mitgeteilt hat, dass im Kanton Zürich auf das kommende Schuljahr die neue Basisschrift eingeführt wird und die «Schnüerlischrift» verschwindet.

Die Basisschrift passt zu unserer Zeit: Sie ist, wie der Bildungsrat schreibt, eine «klare, schnörkellose Schrift», die es erlaube, effizient und zügig zu schreiben. Unnötiger Firlefanz fällt weg, die Basisschrift ist einfach und die Kinder können damit offensichtlich flüssiger und schneller schreiben. Kein Wunder, wird sie von der Deutschschweizer Erziehungsdirektorenkonferenz empfohlen und wohl früher oder später in der ganzen Schweiz Einzug halten: Wer will schon gegen so etwas Geradliniges, Praktisches, Effizientes sein?

Ich natürlich auch nicht. Aber obwohl ich selber schon lange nicht mehr in «Schnüerlischrift» schreibe, erfüllt mich die Nachricht über ihren nun absehbaren Tod mit einer seltsamen Wehmut. Denn klar ist: Sie wird nun sukzessiv verschwinden, bis sich irgendwann, in ein paar Jahrzehnten, nur noch alte Nostalgikerinnen wie ich daran erinnern werden. Dann werde ich mit meinen Freundinnen bei Kaffee und Kuchen zusammensitzen und
leidenschaftlich darüber diskutieren, wie schön es doch war, damals, als wir noch mit

«Schnüerlischrift» schrieben und auf Schreibmaschinen töggeleten und die Blätter von diesen Matrizendruckern so gut nach Alkohol rochen. Und unsere Enkelkinder, die dann wahrscheinlich gar nicht mehr wissen, was ein Kugelschreiber ist, werden sagen: «Jetzt hör doch mal mit dem alten Kram auf, Grosi.»

Die verspielte «Schnüerlischrift» hat ihre Zeit gehabt, jetzt muss sie der moderneren Basisschrift Platz machen. Das ist verständlich. Aber ein bisschen Wehmut sei mir erlaubt, wenn ich sage: Adieu, schöne «Schnüerlischrift», leb wohl.