Das Kantonsspital Baden markiert Präsenz im zürcherischen Limmattal. Bereits vor einem guten Jahr hat es im Dietiker Limmatfeld eine Frauenarztpraxis eröffnet, nun folgt ein Ärztezentrum. Dort können sich Patienten ohne Voranmeldung bis abends um 20 Uhr behandeln lassen. Die Nachfrage sei da, sagt Kantonsspital-Leiter Adrian Schmitter: Viele Leute hätten heute gar keinen Hausarzt mehr und gingen direkt ins Spital, was die Notfallstationen überlaste.

Damit hat er recht. Nur: Am Spital Limmattal gibt es bereits eine Hausarztpraxis, die genau deswegen geschaffen wurde. Zudem bauen zurzeit vier Limmattaler Hausärzte ein Netzwerk von Gemeinschaftspraxen auf, ebenfalls mit Walk-in-Praxis in Dietikon. Es ist klar: Das Kantonsspital Baden wildert im angestammten Marktgebiet beider, des «Limmis» und der Hausärzte der Region.

«Limmi»-Direktor Thomas Brack gibt sich zwar betont gelassen: Das neue Angebot sei keine Konkurrenz für sein Spital. Doch das stimmt so nicht. Spätestens seit in der Schweiz freie Spitalwahl gilt, müssen die Spitäler wirtschaftlich denken. Das tut auch das Kantonsspital Baden: Es hat realisiert, dass das Limmattal eine Wachstumsregion ist und will die Patienten dort abholen, wo sie sind. Es geht um die Lenkung der Patientenströme. Denn nach Möglichkeit werden Patienten der eigenen Walk-in-Praxis für nachfolgende Spitalbehandlungen ins Kantonsspital Baden geschickt. Man mag es als dreist betrachten, dass die Badener nach Dietikon vordringen. Tatsache ist: Die Politik wollte Wettbewerb. Und wenn die Konkurrenz letztlich für mehr Alternativen und gesteigerte Qualität sorgt, kann dies den Patienten nur recht sein.