Kommentar

Schlieren und seine Autos: Eine neue Zeit ist angebrochen

Das Schlieremer Färbiareal um die Jahrtausendwende (Archivbild)

Das Schlieremer Färbiareal um die Jahrtausendwende (Archivbild)

Man könnte sagen: Schlieren ist ein Auto-Shoppingcenter. Aus der ganzen Schweiz reisen Käufer an. Vom Luxusschlitten mit Spezialausstattung bis zum löchrigen Wrack, das für den Export bestimmt ist, wird alles feilgeboten.

Es gab eine Zeit, da prägten vor allem die Schrottwagen das Image der Stadt. Sie waren zu Tausenden aufgereiht, auf Arealen, wo einst stolze Firmen standen. Firmen, die es nicht mehr gibt. Diese Schrottwagen wurden nach Osteuropa verkauft, in den Libanon oder nach Libyen. Es kam vor, dass in diesen Autos Schmugglerware mitreiste. Oder sie dienten am Verkaufsplatz als Drogenversteck. Schlieren bekam Angst, dass Kriminelle die Strassen übernehmen.

Es kam eine Zeit, da war der Tristesse genug. Die Schlieremer Stadtregierung schüttelte die Lethargie ab, die sich ihrer bemächtigt hatte nach dem Untergang von Gaswerk, Wagons-Fabrik oder Färberei. Sie ging zum Angriff über. Doch die Bekämpfung der Schandflecke mittels Bauordnung scheiterte noch an der gerichtlich verteidigten Gewerbefreiheit. Dann kam Hilfe von unerwarteter Seite.

Es war die Zeit, als die Macht des Marktes die Schrottautos von den Plätzen fegte. Der Boden unter ihren Reifen war plötzlich mehr Wert als der Handel mit ihnen. Es begann der Bauboom. Auto um Auto wurde und wird ersetzt durch Häuser, Siedlungen, Quartiere.

Eine neue Zeit ist angebrochen für Schlieren. Ein Autocenter ist Schlieren geblieben. Man könnte aber sagen: Aus der rostigen Karre ist ein Mittelklassewagen geworden.

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