Die Behörden setzen ein Zeichen, dass Sexualstraftaten keineswegs Delikte sind, bei denen die Täter mit Samthandschuhen angefasst werden. Unter allen Umständen wollen sie den Täter finden und ziehen dabei sämtliche Register. Auch ist der Ablauf der Fahndung der heiklen rechtlichen Situation angemessen.

Der Gesuchte hatte zwei Chancen, sich der Polizei zu stellen. Bereits Anfang September wurde die Fahndung angekündigt. Stelle sich niemand, werde das verpixelte Bild ins Netz gestellt, melde sich erneut niemand, folge die unverpixelte Version im Internet: Diese Drohung machte die Stadtpolizei gestern wahr. Der mutmassliche Täter hatte Zeit, dem Internet-Pranger zu entgehen und seine Persönlichkeitsrechte zu schützen.

Kritiker des Internet-Prangers mögen monieren, dass dadurch eine Vorverurteilung in der Öffentlichkeit stattfindet, ohne dass die Justiz über das Delikt befinden konnte. Ob schuldig oder nicht, wird es für den Angeprangerten schwierig bis unmöglich, seinen Namen wieder reinzuwaschen.

Auch Sexualstraftäter und deren Familien haben das Recht auf Persönlichkeitsschutz und darüber hinaus auf einen fairen Prozess. Ein solcher muss jedem ermöglicht werden. Doch lassen die Kritiker der Online-Fahndung etwas ausser Acht: In manchen Situationen führt am ehesten die Mithilfe der Bevölkerung zum Erfolg. Wichtig ist: Erst wenn alle anderen Mittel ausgeschöpft sind, bedient sich die Stadtpolizei der Veröffentlichung von Bildern.