Der Zürcher Biobauer Nils Müller erschiesst seine Rinder mit einer Kleinkaliberwaffe nach einem einstudierten Prozedere auf der Weide. Das sei viel besser für die Tiere, als sie in den Schlachthof zu fahren.

Das Veterinäramt hat Müller diese unkonventionelle Methode zur Probe bewilligt und das Forschungsinstitut für biologischen Landbau findet es eine gute Sache. Selbst die kritischen Kommentatoren in den Leserforen applaudieren grosszügig. So viel Zustimmung erstaunt, lässt ich aber erklären.

Nahrung ist ein Mega-Thema unserer Zeit und damit ein viel diskutiertes – eines zwischen Moralappellen und religiösen Hoheliedern, wie im Fall des Veganismus.

Gleichzeitig verkommt Essen in den Kochshows der Überflussgesellschaft zur Unterhaltung und offenbart die Doppelmoral der Diskussion: zu Hause der Trend zu überzuckerten und überfetteten Fertiggerichten, am TV scheinbar hochwertige Haute-Cuisine.

Vergessen geht dabei, wie wichtig hochwertige Nahrung für unsere Gesundheit ist. Gutes Fleisch kann uns darum nicht Wurst sein. Und deshalb ist Nils Müllers Tötungsvariante zu begrüssen.

Bei aller Zustimmung muss aber beachtet werden. Der Wunsch nach dem Tierwohl kontrastiert nämlich mit der schieren Menge an Fleisch, die hierzulande verspeist wird.

Diese vermögen nur industrielle Schlachthäuser in der nachgefragten Menge bereitzustellen. Das können Landwirte wie Nils Müller und lokale Metzger niemals kompensieren.

Mag sein, dass die Weideschlachtung beim Tier weniger Stress und Leid erzeugt, aus der interessanten Nische kommt diese Methode aber nur heraus, wenn wir weniger Fleisch konsumieren.