Die Idee ist gut gemeint: Der Erlös aus dem Verkauf roter Clown-Nasen soll vollumfänglich der Stiftung für Behinderte, Solvita, in Urdorf zukommen. Für eine geplante Projektwoche. Und die Schlieremer machen mit, auch beim Kollektivfoto, das dank der Feuerwehr aus der Höhe gemacht wird. Eine Stadt voller Clowns schaut nach oben. Für einen guten Zweck.

Als mein Bruder noch im Wohnheim für Behinderte sein Zuhause hatte, erfuhren wir an einem Angehörigenabend, im Kanton habe die Institution am besten abgeschnitten. Finanziell. Ja, man habe nicht einmal das gebraucht, was man hätte brauchen dürfen. Kantonsgelder sind aber Steuergelder, und die sollten ihrer Zweckbestimmung zugeführt werden.

In jungen Jahren setzte ich mich zusammen mit einer Gruppe politisch engagierter körperlich Behinderter dafür ein, dass für Behinderte nicht mehr gesammelt wird. ‹Integration vor Betteln› war unsere Devise. Was könnte das für ein Schlierefäscht bedeuten? Vielleicht, dass in der Zeitung ‹Schliere lacht› die Behindertentanzgruppe, die Zirkusaufführung oder die Band ‹noi insieme› sichtbar erscheinen?

Oder dass beim Event-Abschluss neben oder statt der brasilianischen Tänzerinnen die erwähnte Tanzgruppe auftreten kann? Für diesmal blieben die eigentlich Gemeinten noch am Rand. Das kann ein nächstes Mal anders sein, wenn anstelle roter Nasen echte Integration erfolgt. – Übrigens: Die Projektwoche wird nicht nur im Jahr des Schliere-Fäschts durchgeführt, sondern unabhängig von roten Nasen jedes Jahr. Zum Glück.