Mörgeli und Facebook

Die Aufregung lenkt vom Wesentlichen ab

Mörgeli am PC

Mörgeli am PC

Christoph Mörgeli existiert wieder. Facebook hat das Profil des SVP-Nationalrats gestern wieder freigegeben, nachdem es am Tag zuvor gesperrt worden war.

Christoph Mörgeli existiert wieder. Facebook hat das Profil des SVP-Nationalrats gestern wieder freigegeben, nachdem es am Tag zuvor gesperrt worden war. Warum, ist ungeklärt, doch vieles deutet darauf hin, dass Mörgeli wegen des «Fachkräfte»-Bildes (Ein überfüllter Kahn mit Flüchtlingen. Titel: Die Fachkräfte kommen) angeschwärzt worden ist. Die Folge: Das Unternehmen hat Mörgeli vom Netz genommen, schuldig oder unschuldig, das war nicht die primäre Frage. Offenbar verletzt er aber keine Konventionen, denn Mörgelis Profil enthält weiterhin das umstrittene Bild.

Die Aufregung und Häme über die Profil-Löschung mag übertrieben sein, unwesentlich ist der Vorfall nicht. Natürlich muss Facebook darum besorgt sein, dass keine Gewalt verherrlicht wird, dass die Regeln des Anstandes eingehalten werden. Facebook sieht sich mit demselben Problem konfrontiert wie die Online-Medien in ihren Leserkommentarspalten. Doch es geht letztlich um die Meinungsäusserungsfreiheit.

Die US-Amerikaner legen diese grosszügig aus, die Europäer restriktiver. Die Schweiz hat ein Antirassismusgesetz. Jedes Land muss seine eigene Grenze der Akzeptanz finden. Der «Fachkräfte»-Post mag Geschmacksache sein, ist für sich genommen eher harmlos. Auch wenn Mörgeli bekannt für seine verletzende Scharfzüngigkeit ist, muss er seine Meinung kundtun können. Und zwar, ohne Angst, dass sein Facebook-Profil gesperrt werden könnte. Die Meinungsäusserungsfreiheit ist ein Menschenrecht und muss verteidigt werden. Zu sensible Reaktionen schaden aber letztlich mehr, als sie nützen. Und sie lenken oft genug vom Wesentlichen ab. Hier ist es das Elend der Flüchtlinge.

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