Während das Land sich darüber streitet, wie viel Zuwanderung es noch verkraftet, ist Hinz und Kunz plötzlich Gleichstellungsspezialist. Wir brauchen doch keine Ausländer, um Versorgungsniveau und Wohlstand aufrechtzuerhalten, wenn wir doch so viel ungenutztes inländisches Potenzial haben, argumentieren Wachstumskritiker landauf, landab: Man denke nur an all die Frauen, die auf Kosten der Steuerzahler teure Ausbildungen geniessen und dann nicht anderes damit anzustellen wissen, als sie vor dem Herd zu verbraten.

Nun, für dieses Problem des ungenutzten Humankapitals gäbe es eine Patentlösung: flexible Arbeitsmodelle wie zum Beispiel das sogenannte Jobsharing. Das Teilen verantwortungsvoller Positionen böte etwa Frauen nach einer Schwangerschaft mehr Karrierechancen als normale Teilzeitarbeit. Doch nicht nur Frauen kann Jobsharing vor dem beruflichen Abstellgleis bewahren. Auch für ältere Leute, die sich mit Teilzeitpensen schrittweise von der Arbeitswelt verabschieden und erst noch ihr Wissen weitergeben könnten, ist das Modell vielversprechend.

Freilich, es ist eine Lösung, die sich eine Firma auch erst einmal leisten wollen muss — wie es das Spital Limmattal getan hat, indem es zwei Chirurginnen im Jobsharing arbeiten lässt und dafür rund 20 Stellenprozente mehr bezahlt. Leisten wollen muss es sich aber vor allem eine Gesellschaft, die ausländischen Arbeitskräften zusehends kritisch gegenübersteht. Denn solange Karrierefrauen Rabenmutter-Vorwürfe kassieren und für gleiche Arbeit weniger als ihre Männer verdienen, sind die alten Rollenbilder in den Köpfen noch längst nicht überwunden — und Wege aus der Abhängigkeit von der Zuwanderung nicht mehr als Wunschdenken.