Ich glaube, wir sind bedient.» Das war die Antwort eines Limmattaler Pfarrers auf die Frage, ob sich seine Kirchgemeinde die Aufnahme von Flüchtlingen in ihren Gebäuden vorstellen könnte. Negative Erfahrungen mit dem nahen Asylzentrum im Kopf, dagegen verwehrte sich der Mann im Telefongespräch und hängte auf. Wenn derzeit im Aargau Flüchtlinge in Armeezelten leben müssen, dann zeigt eine solche Einstellung: Bei der aktuellen Flüchtlingskrise machen Ignoranz und Fremdenfeindlichkeit auch vor Kirchenpforten nicht halt – gepredigte Nächstenliebe hin oder her.

Das ist bei weitem nicht bei allen Kirchen in der Region der Fall – auch wenn sie wegen fehlender Ressourcen bei der Unterbringung von Flüchtlingen kaum Hand bieten können. Dafür engagieren sie sich anderweitig: In Schlieren etwa helfen Katholiken, Reformierte und Stadtverwaltung mit der «Wohnhilfe» auch Flüchtlingen bei der Wohnungssuche.

Trotz eingeschränkter Ressourcen vor allem bei kleineren Kirchgemeinden: Mehr Hilfe wäre wohl durchaus möglich, wenn nicht bei der Unterbringung, dann doch bei der Integration von Flüchtlingen. Denn wie die Zürcher Landeskirche feststellt, haben die Gemeinden ein breites Beziehungsnetzwerk, verfügen über eine Tradition der Freiwilligenarbeit und über Angebote, etwa für Jugendliche, die auch Asylsuchenden zugänglich gemacht werden können. Sollte sich die Flüchtlingskrise weiter zuspitzen, dann sind Spenden an Hilfswerke als Engagement nicht mehr genug. Bereits jetzt erweckt der Verweis auf diese – wichtigen – Spenden den Eindruck, als handelten die Kirchgemeinden nach dem Motto: «Hilfe ja, aber bitte bloss aus der Distanz».