Kolumne

Auch für mich ist es heilig!

Nicht alle sind derzeit mit dem Einkaufen der Weihnachtsgeschenke beschäftigt. Denn nicht alle feiern Weihnachten.

Nicht alle sind derzeit mit dem Einkaufen der Weihnachtsgeschenke beschäftigt. Denn nicht alle feiern Weihnachten.

Jene, die keine Weihnachten feiern, werden oft gefragt, was sie die nächsten Tage so tun. Langweilig kann es da schon werden, muss es aber nicht.

«Was machst du eigentlich während der nächsten Tage? Du feierst schliesslich keine Weihnachten.» Das muss ich mir alle Jahre wieder anhören. Und dann fragen sie, ehe ich antworten kann: «Also feierst du eigentlich kein bisschen?» Nein. «Also hast du nicht mal einen Baum oder ein bisschen Deko in der Wohnung?» Nein. «Und du kriegst auch keine Geschenke?» Eigentlich nicht, nein.

Das werde ich immer gefragt, obwohl ich ja bei weitem nicht der einzige Mensch auf Erden bin, der halt «von Haus aus» keine Weihnachten feiert, weil ich und meine Familie nicht der christlichen Konfession angehören.

Dennoch sind die ganzen Fragen wohl doch ein Stück weit berechtigt. Überall weihnachtet es: In den Läden, auf der Strasse, im Garten des Nachbarn. Seit Wochen ist jeder mit dem berühmten «Weihnachtsstress» beschäftigt. Alles dreht sich um Beleuchtung, Geschenke und «Oh, du fröhliche». Für die einen bedeutet Weihnachten Hektik, für die anderen ist es die schönste Zeit des Jahres. Ein Leben ausserhalb dieser Tradition – für viele unvorstellbar. «Das muss furchtbar langweilig sein», höre ich dann. Jeder lästige Familienschlauch sei doch besser, als drei Tage pure Langeweile zu ertragen. Schliesslich sind alle Läden, Ämter und Restaurants während der Feiertage grösstenteils geschlossen. Man kann also weder shoppen, sein Zeug erledigen noch auswärts essen gehen, stellen sie dann fest.

Nun, es kann vielleicht langweilig werden: Das Fernsehen sendet jedes Jahr dieselben Filme. Es gibt kaum Nachrichten zu lesen, schliesslich haben Journalisten – und all jene die für Nachrichten sorgen – auch Weihnachten. Es gibt eine endlose Liste der Dinge, die man an Weihnachten nicht tun kann. Bis auf ein paar Ausnahmen. Und die sind wohl für Menschen wie mich genauso «heilig» geworden, wie für manche das Weihnachtsfest an sich.

Wann, wenn nicht letzte Weihnachten, hätte ich denn meinen Schuhschrank ausmisten sollen? Aber Spass bei Seite. Es kann wirklich toll werden. Dieses Jahr gehe ich nämlich wellnessen. Da sonst niemand auf die Idee kommt, an heilig Abend zu wellnessen, hatte ich eine tolle Auswahl an Angeboten (überall genügend Platz). In diesem Sinne: Weihnachten, schön dass es dich gibt!

Senada Haralcic ist Journalistin und wohnt in Dietikon

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