Als ich während des Psychologiestudiums mit dem Thema Jugendliche und «Peergroups» vertraut gemacht wurde, wusste ich sofort: Aha, das sind also die gefährlichen Beeinflusser von Pubertierenden, die sie auf die krumme Bahn bringen und alle elterlichen Bemühungen um gutes Benehmen und eine rosige Zukunft zunichtemachen.

Als ich dann meinen ersten Sohn bekam, flatterten meine Jungmutter-Gedanken in seine Zukunft und ich malte mir aus, welche Freunde er in der Pubertät nach Hause bringen, welche «Peergroups» ihn negativ beeinflussen und mein Kind vom Pfad der Tugend abbringen würden. Bei all diesen fürchterlichen Gedanken drückte ich mein Bübchen noch etwas fester an mich.

Und harrte der Dinge, die auf mich zukommen sollten.

Jetzt ist es so weit und niemand ist da. Und es kommt auch niemand. Der pubertierende Sohnemann sitzt mit seinem Bruder vor dem Laptop und schwatzt in ein Mikrofon, das an Kopfhörern klebt, die ihn wiederum vor lästigen mütterlichen Bitten und Aufforderungen schützen.

Er unterhält sich mit anderen ähnlich getrimmten Jungs, die irgendwo auf der Welt auch vor ihrem Laptop sitzen. Sie spielen miteinander, oder schauen sich beim Spielen zu, tauschen sich aus und lachen sich kaputt über junge Männer, die auf Youtube mit originellen Beiträgen die Welt erklären.

Eigentlich sind das seine «Peers» und von Sittengefährdung kann keine Rede sein. Höchstens Schlafmangel und Ablenkung von den Hausaufgaben.

Manchmal wünsche ich mir, es würde ein echter «Peer» klingeln und ihn rauslocken. Dann könnte ich das Zimmer lüften.

Die Autorin ist Publizistin, Kommunikationsberaterin und Mutter zweier Kinder. Sie wohnt in Weiningen.