An die Höhepunkte meiner Schulzeit erinnere ich mich hingegen noch haargenau. Auch was sich die Lehrer und Lehrerinnen geleistet haben, ist mir noch sehr präsent. In erster Linie die im Gymnasium machten uns mit ihrer ein bisschen speziellen Art den harten Alltag erträglich.

Da war zum Beispiel dieser skurrile Typ – er unterrichtete Geschichte, wenn ich mich richtig entsinne –, der stets mit einer Kreide in der Hand und im dunklen, massgeschneiderten Anzug vor die Klasse trat. Gleich nach unserem Unisono-Gruss begann er, in horrendem Tempo zu sprechen und gleichzeitig das Wichtigste an die Wandtafel zu kritzeln. Ab und zu unterbrach er seinen Redeschwall, lehnte sich an die Tafel und suchte sich ein Opfer aus, um ihm eine deftige Frage zu stellen. Als er sich dann wieder kehrte und uns damit den Rücken zuwandte, waren die Tafelnotizen auf seinem Jackett zu lesen. In Spiegelschrift.

Der Professor, der uns darstellende Geometrie näherbringen sollte, legte sich während einer Stunde dermassen ins Zeug, dass er nach der Lektion die Orientierung vollkommen verloren hatte. So machte er sich in seiner Lehrervollmontur, also mit diesem weissen Überkittel, dem grossen Massstab, dem Geodreieck und dem Zirkel auf den Weg nach Hause.

Ein Dritter, auch er etwas verwirrt, erschien einmal mit dem Ochsnerkübel in der Schule. Seine Frau hatte ihm anscheinend aufgetragen, diesen Kübel an den Strassenrand zu deponieren. Doch er hatte – in Gedanken versunken – den Moment des Abstellens verpasst und war mit dem Tram zur Schule gefahren.

Diese Geschichte kommt mir jedes Mal wieder in den Sinn, wenn ich den Abfallsack zum Container trage. Und ich muss auch jedes Mal lachen über diesen Lehrer. Wie gestern, als ich mich auf den Weg zum Bahnhof machte. Mit Abfallsack, den ich vor dem Haus loswerden wollte. Ich schwelgte in Erinnerungen an diesen verrückten, etwas weltfremden Lehrer und schmunzelte still vor mich hin. Erst beim Einsteigen in die S12 bemerkte ich, was ich immer noch in der Hand hatte. Richtig, den Abfallsack.

Vielleicht steckt doch mehr Lehrer in mir, als ich wahrhaben wollte.

Martin von Aesch ist Autor und Musiker. Er lebt in Schlieren.