An einen Fratzenball kann ich mich besonders gut erinnern, oben in der Urdorfer Zentrumshalle. Dieser Saal gilt noch immer als Fasnachts-Mekka im Limmattal – ein Fernbleiben des dortigen wilden Treibens glich früher einem Sündenfall.

Wer verkleidet ging, musste kein Eintrittsgeld bezahlen und mit Vollmaske wars noch lustiger – zumindest am Anfang. Mit der Zeit wurde das ewige Hinaufklappen der Kunststoffabdeckung beim Trinken dann doch zu lästig, zumal die Intervallfrequenz bei der Flüssigkeitsaufnahme im Verlauf des Abends deutlich zunahm.

An besagter Narrenchilbi wollte ich mich mit einer Dame treffen, die ich kürzlich kennen gelernt hatte. Ihre Gummivisage hatte sie mir vorgängig beschrieben, als traurige Hexe würde sie schauerlich aussehen. Genau zum vereinbarten Termin lümmelte ich beim Eingang herum, unter dem Monster-Face aus Plastik war es fürchterlich heiss. Zu meiner Überraschung erspähte ich meine Hexe sogleich bei der Kasse, pünktlich auf die Sekunde – was mich schon ein wenig erstaunte.

Umso besser, sagte ich mir aber, packte die Wüste und steuerte sogleich zur Bar hin. Nach zwei, drei Drinks fiel mir auf, dass wir sehr wenig voneinander wussten – eigentlich gar nichts. Lustig wars trotzdem.

Irgendwann ging ich dann auf die Toilette. Auf dem Weg dahin erblickte ich zu meinem Schrecken eine gleiche Hexe beim Eingang stehen. Ungeduldig starrte sie in die brodelnde Masse im Saal. Jetzt erst dämmerte es mir: Ich hatte mich mit der falschen Teufelsbraut vergnügt. Trotz intensiver Bemühungen konnte ich die Originalhexe nicht mehr für mich begeistern, zu lange hatte sie warten müssen auf das doofe Monster.

So ging ich zurück an die Bar, in der Hoffnung, mich mit Hexe 2 weiter vergnügen zu können. Doch diese war inzwischen abgerauscht, womöglich auf ihrem Besen, irgendwohin ins Getümmel. Es wurden dann ein paar Bier mehr an diesem Abend.

Thomas Pfann ist Journalist und Musiker. Er lebt in Dietikon.