Sind in einem Gebiet fast alle Parkplätze belegt, sollen die Parkgebühren steigen. Gibt es an einem Strassenzug hingegen viele freie Abstellplätze, sollen die Tarife reduziert werden.

Ein grüner und ein grünliberaler Gemeinderat fordern in einem Postulat, dass in der Zürcher Innenstadt «flexible, nachfrageorientierte Parkgebühren» eingeführt werden. Der Vorschlag wird zwar keinerlei Chancen und auch nicht umgesetzt werden – er kommt aber dennoch zur richtigen Zeit und könnte wichtige Impulse setzen.

Unbestritten ist: In der Verkehrspolitik sind neue Ansätze gefragt. Überall, nicht nur in der Stadt Zürich und nicht nur auf der Strasse, gelangt die alte Verkehrsinfrastruktur an ihre Grenzen. Um dem Mobilitätswunsch der Gesellschaft nachzukommen, genügt es nicht mehr (und ist es oft auch gar nicht mehr möglich), das Angebot auszubauen. Es braucht neue Lösungen.

Die entsprechenden Debatten sind angestossen worden. Es handelt sich – etwa bei der Idee von «Mobility Pricing» im Strassenverkehr oder beim Vorschlag von höheren SBB-Ticketpreisen während den Stosszeiten – noch um vorsichtige Diskussionen, die einem Abtasten gleichkommen. Noch scheint die Zeit für marktbasierte Modelle, die sich an Nachfrage und Angebot ausrichten, nicht reif zu sein.

Deshalb werden auch in der Stadt Zürich noch auf lange Sicht hinaus keine «variablen Parkgebühren» eingeführt. Der Vorstoss hat aber das Potenzial, eine seit Jahrzehnten emotional geführte, und deshalb auch in der Sackgasse steckende Diskussion zu beleben. Der Vorstoss könnte die Brücke zwischen bürgerlichem («mehr Parkplätze!») und linkem Block («weniger Parkplätze!») schlagen.