Gleichberechtigt

Wiedereinführung des rechtlichen Doppelnamens: Neuer Name, neues Glück

Die Doppelnamen-Diskussion ist absurd. Wenn schon sollte man die Namen fusionieren. (Symbolbild)

Die Doppelnamen-Diskussion ist absurd. Wenn schon sollte man die Namen fusionieren. (Symbolbild)

Mit Gleichberechtigung hat ein Allianz-Name wenig zu tun, solange der eine Name immer an erster Stelle stehen muss. Ein Fusionsname wäre hervorragend: Die Herkunft geht nicht vergessen, aber etwas offensichtlich Neues entsteht.

Nein, ich habe nicht verstanden, worum es genau bei der neu aufgeflammten Debatte über die Wiedereinführung des rechtlichen Doppelnamens geht. Insbesondere nicht, weil man sich ohnehin mit dem Doppelnamen vorstellen, ihn aufs Klingelschild prägen lassen, ihn in der E-Mail-Signatur verwenden und er sogar im Pass und der ID stehen kann. Wen kümmert es, dass er nicht im Zivilstandsregister steht?

Muss man den SVP-Vorstoss so interpretieren, dass es manche stört, dass die Frauen ihren Namen behalten können – und dass 30 Prozent der verheirateten Frauen dies nun auch tun? Der angehängte Mädchenname als Zückerchen, um bei der patriarchalen Tradition zu bleiben?

Zugegeben, wenn ich früher ein Date hatte, überlegte ich mir manchmal, ob mir sein Nachname gefallen würde. Und fand das ein bisschen aufregend. Sabine Heizmann? Sabine Merz? Umsonst. Ich heisse heute noch immer Kuster, auch wenn mein Mann einen originellen Nachnamen hat. Der kleine Aufwand der Namensänderung war es mir nicht wert, denn da war noch die Frage: Was habe ich mit dieser anderen Sippe zu tun, ausser dass ich mich in einen davon verliebt habe?

Wenig Romantik bei der Namensfindung

Die Kinder aber sollten heissen wie er. Er fand’s schön, und ich wollte ihn insgeheim auch via Namen in die Vater-Pflicht nehmen. Kuster mochte er nicht heissen, und ich konnte es ihm nicht verübeln, denn was hat er mit meiner Sippe zu tun, ausser dass er sich in eine davon verliebt hat?

Im Alltag ist es zugegebenermassen unpraktisch, verschiedene Nachnamen zu tragen. Ich habe viel Verständnis, wenn mich die Kitabetreuerinnen als eine von rund 60 Elternteilen mit dem Namen des Vaters ansprechen. Und wenn die Wehrlis zum Znacht kommen, ist das einfach schneller gesagt, als wenn wir mit den Wehrli-Lammbergers wandern gehen.

Es wäre deshalb nur logisch, dass zwei, die heiraten, auch ihre Namen fusionieren könnten zu einem neuen, echten Familiennamen. Aus Huber und Hotz wird Hutzer, aus Leutenegger und Oberholzer wird zungenschonend Oberegger, aus Roth-Bernasconi Platz sparend: Roboni. Leider ist das sogenannte «Meshing» nur in Amerika und England erlaubt. Laut dem englischen Namensnachweis-Amt (Deed Poll Service) wählen jährlich rund 800 Paare einen neuen, fusionierten Namen, die Tendenz ist steigend.

Für die Kinder macht Meshing ebenfalls Sinn, denn sie sind halbe Roths und halbe Bernasconis: Beide Eltern prägen einen.

Wer sich heute namentlich von seiner Herkunft distanzieren will, dem bleibt nur, den Namen des Partners zu übernehmen. Das ist denn auch einer der Gründe, wenn Männer heute ausnahmsweise den Namen der Frau annehmen: Bruch mit der eigenen Familie. Nebst dem psychologischen gibt es aber auch wirtschaftliche oder aristokratische Gründe, dass Männer sich wie die Frau nennen: Die Frau besitzt ein grosses Unternehmen oder stammt aus einem wichtigen Haus.

Die prosaischen Gründe: Der Mann hat einen komplizierten, hässlichen oder ausländischen Namen. Oder er möchte als Meier oder Müller nicht mehr einer von Tausenden sein – dann wiederum ergreifen die Männer auf dem Standesamt manchmal die Gelegenheit, sich Da Silva oder O’Connor nennen zu lassen.

Mit Gleichberechtigung hat ein Allianz-Name wenig zu tun, solange der eine Name immer an erster Stelle stehen muss. Psychologisch gesehen – und um unsere feinstoffliche Befindlichkeit geht es doch beim Thema Name – wäre ein Fusionsname hervorragend: Die Herkunft geht nicht vergessen, aber etwas offensichtlich Neues entsteht. Neuer Name, neues Glück.

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