Als junges, kinderloses Paar gleichberechtigt zu leben, ist ja eigentlich keine Hexerei. Dachte ich mir jedenfalls. Allerdings kannte ich damals das ungeschriebene Gesetz über das geregelte Zusammenleben von Mann und Frau noch nicht, das auch für die fortschrittlichsten Paare gilt: die Bohrmaschinen-Regel.

Eigentlich eher nebensächlich, tritt das Gesetz dann in Kraft, wenn das Paar am fragilsten ist: beim Umzug in die erste gemeinsame Wohnung. Es ist der Zeitpunkt, an dem die Rollenverteilung noch archaisch geprägt ist. Die Regel besagt: Die Schwiegermutter (zur Vereinfachung so bezeichnet, obwohl das Paar nicht verheiratet ist) schenkt ihrer Schwiegertochter Putzmittel. Nach dem Schleppen bauen die Männer die Möbel auf, und die Frau diskutiert mit ihrer Schwiegermutter über die richtige Reinigung der Wohnung. Geduldig wird erklärt, mit welchem Mittel der Parkettboden gereinigt wird. Ob ich denn vorhabe, hinter dem Schrank zu staubsaugen?

Die fürsorglichen Erläuterungen sind ein Stich ins Herz einer Frau, die von ihrer eigenen Mutter zum Auszug aus dem Elternhaus eine Bohrmaschine geschenkt bekommen hat. «Jede Frau sollte damit umgehen können, nur so bleibt sie unabhängig», so ihre weisen Worte. Blöd nur, dass die Bohrmaschinen-Regel noch tief in den Strukturen unserer Gesellschaft verankert ist. Und die besagt: Der Mann muss ran.

Doch der war irgendwann müde, verfluchte die 50-seitige Montageanleitung. Eine Woche lang montierte ich abends nach der Arbeit Schiebetüren und LED-Leuchten, bis der Schrank fertig war. Eine Genugtuung, ein wahrer Triumphzug! Nur etwas mache ich auch heute noch aus Prinzip nicht: hinter dem Schrank staubsaugen.