Kommentar

Rechtsextremer Terroranschlag in Halle: «Eskalation hat sich abgezeichnet»

Auslandskorrespondent Christoph Reichmuth über den Terroranschlag auf Juden in der deutschen Stadt Halle.

Juden in Deutschland können sich nicht sicher fühlen. Ihre Synagogen müssen polizeilich bewacht werden, nur wenige wagen sich mit Kippa auf die Strasse. «Jude»gilt auf Pausenhöfen als Schimpfwort. Jüdische Gläubige werden auf offener Strasse attackiert. Ja, es gibt den «importierten» Antisemitismus durch Zuwanderer, der durch den Nahost-Konflikt begründet ist. Das Gros der antisemitischen Übergriffe in Deutschland ist aber rechtsextrem motiviert.

Offenkundig haben die Sicherheitsbehörden die Gefahr von rechts bislang unterschätzt, der Fokus lag auf der Abwehr von islamistischem Terror. Dabei waren die Anzeichen schon lange sichtbar. Das rechtsextreme Terror-Trio der Gruppierung Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) agierte jahrelang unentdeckt und tötete neun Migranten und eine Polizistin.

Der rechte Terror zeigte sich letztes Jahr in Chemnitz und im Juni beim Mord an einem CDU-Politiker. Die extreme Rechte fühlt sich auch deshalb bekräftigt, weil in der Politik das Gedankengut von einer Auflehnung des Volkes gegen die bestehende liberale Ordnung wieder propagiert wird.

Zur Gefahrenabwehr gehört nicht zuletzt Bildung. 40 Prozent der 18- bis 34-jährigen Deutschen gaben in einer Studie 2018 an, nichts bis wenig über den Holocaust zu wissen. Antisemitismus gibt es auch anderswo. Aber Deutschland hat eine besondere Verantwortung im Kampf gegen Rassismus und Antisemitismus.

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