Mein Leben im Dreiland

Reifen wechseln in Weil am Rhein wird deutlich teurer

Achtung Mehrwertsteuer: Diese deutsche Firma wurde vom Zoll gemassregelt.

Ein Weiler Reifendienst hat über Jahre auf Dienstleistungen die 19 Prozent Mehrwertsteuer erstattet. Nun ist Schluss damit und er musste dem deutschen Fiskus die Erstattungen von drei Jahren zurück erstatten. Bei sogenannten Veredelungen wie grösseren Felgen drohen Schweizern hohe Strafen.

Es war so schön. Viele Jahre konnte man als Schweizer in Weil am Rhein seine Reifen einlagern, die Winter- oder Sommerreifen wieder aufziehen lassen und dafür auch noch die gezahlten 19 Prozent deutsche Mehrwertsteuer kassieren. Und das, obwohl man ja gar nichts gekauft hatte. Der deutsche Zöllner hat zwar immer kurz gezögert, aber nach ein paar wenigen Sekunden doch den grünen Ausfuhrzettel abgestempelt.

Damit ist es seit Anfang Jahr vorbei. Beim letzten Besuch hing eine Notiz an die «Sehr verehrte Schweizer Kundschaft«(sic) an der Tür des Reifendienstes. Darauf war zu lesen: «Auf Rechnungen, auf denen sich nur Dienstleistungen befinden, gibt es keine Mehrwertsteuer mehr zurück, z. B. Saisonaler Radwechsel mit Einlagerung» (sic).

Das Rückerstatten war gar nicht erlaubt

Verwunderlich ist das nicht. An sich ging das nie, stellte ein deutscher Fachmann auf Anfrage verwundert fest. Tatsächlich musste die betreffende Firma dem deutschen Fiskus für drei Jahre die unrechtmässig erstattete Mehrwertsteuer zurück überweisen. Bitter: Bei so vielen Schweizer Kunden kommt schnell ein stattlicher Betrag zusammen. Die Schweizer müssen also in Zukunft den Reifenwechsel etwas teurer bezahlen. Rückerstatten aber müssen sie nichts.

Richtig Ärger droht dem, der ohne dass dies beim deutschen Zoll angemeldet war, sein Auto tuned, eine neue Klimaanlage oder zusätzliche Lautsprecher einbauen lässt. Informieren kann den Zoll entweder das deutsche Unternehmen, das die «aktive Veredelung», so der Zoll-Begriff, vornimmt oder der Schweizer Autobesitzer selber. Geschieht dies nicht, so drohen auch dem Kunden erhebliche Strafen. «Das ist Steuerhinterziehung und wird so richtig teuer», sagt ein Spezialist der Industrie- und Handelskammer (IHK) Hochrhein-Bodensee. Auf der Internetseite der IHK gibt es  einen ausführlichen Artikel zum Thema.

Amtshilfe für den Schweizer Zoll?

Generell muss auf Einfuhren in die Schweiz, die den Nettowert von 300 Franken übersteigen, die Schweizer Mehrwertsteuer von acht Prozent bezahlt werden. Der Reifendienst weist im Merkblatt extra darauf hin und leistet so Amtshilfe für den Schweizer Zoll.

Vielleicht wollte er sich, wenn er schon Ärger mit deren deutschen Kollegen hat, zumindest mit den Schweizern gut stellen. Einen besonderen Grund dafür gab es nicht. Laut Auskunft der Medienstelle hätten Zollvergehen rund um das Auto zuletzt nicht zugenommen. Am meisten geschmuggelt wird weiterhin Fleisch. Vielleicht ist das aber einfacher aufzuspüren als neue Bremsen am Auto.

Die Kolumne geht in die Sommerferien und meldet sich am 24. Juli zurück.

peter.schenk@bzbasel.ch

Autor

Peter Schenk

Peter Schenk

Meistgesehen

Artboard 1