Bei Städten geht der Trend eindeutig weg vom namensgebenden Herrscher. Die russische Millionenstadt Stalingrad etwa verlor ihren Namen Anfang der 60er und heisst jetzt Wolgograd. Ähnlich erging es Leningrad zu Beginn der 90er, das jetzt St. Petersburg heisst. Etwas länger ist es her, als Konstantinopel (benannt nach dem Römischen Kaiser Konstantin) zu Istanbul wurde.

Umso erstaunlicher, was sich vor wenigen Tagen Kasachstan leistete. Nach dem Rückzug des allmächtigen Herrschers Nursultan Nasarbajew benannte dessen Nachfolger die Hauptstadt kurzerhand um.

Jetzt heisst sie: «Nursultan». Nun ist der alte Name «Astana», was übersetzt «Hauptstadt» heisst, in Sachen Kreativität kein grosser Verlust. Dennoch darf man sich wundern. Zumal Nursultan gar nicht wirklich abgetreten ist. Eher war es so wie bei Christoph Blocher: Der Rücktritt als Aufstieg zum Spiritus Rector, dem Geist im Hintergrund.

Apropos: Ruft man sich das Bild vom Wochenende ins Gedächtnis, wie Blocher auf einer weiss betuchten Heuballen-Sänfte von einem Traktor über eine Thurgauer Obstwiese gezogen wird, spürt man einen Hauch von Christophstan durch die Ostschweiz wehen. Nur gut, dass Meilen, Bern und Zürich damals, anders als jüngst Astana, standhaft blieben. An «Christophstan» hätte man sich wohl nur schwer gewöhnt.