Kommentar

Zwei-Meter-Regel wird zur Farce

Die Abstandsregeln müssen in der Schule wann immer möglich eingehalten werden.

Die Abstandsregeln müssen in der Schule wann immer möglich eingehalten werden.

Die neuen und alten Abstandsregeln des Bundes sorgen vielerorts für Fragezeichen.

Die Coronaregeln produzieren Widersprüchlichkeiten am Laufmeter. So kehren etwa die Nachtschwärmer in vollgestopften Bussen heim, weil alle Restaurants und Bars gleichzeitig um Mitternacht schliessen müssen. Die Zwei-Meter-Regel unter solchen Bedingungen umzusetzen, ist illusorisch. Das Gleiche gilt für die Demonstrationen im öffentlichen Raum.

Auch in der Schule sorgen die Abstandsregeln für Irritationen. Die grüne Zuger Nationalrätin Manuela Weichelt-Picard hat die Absurdität gut auf den Punkt gebracht: «Zwei Meter Abstand in der Schule, aber nicht im ‹Puff›», lautete der Titel für ihre Fragen, die sie gestern Gesundheitsminister Alain Berset stellte. Während Erotikbetriebe wieder Dienstleistungen anbieten dürfen, müssen die Gymnasiasten und Berufsschüler zwei Meter Distanz untereinander wahren.

Unter einem solchen Regime lässt sich kaum ein vernünftiger Ganzklassenunterricht organisieren. Es ist nicht einzusehen, weshalb in zahlreichen Alltagssituationen die Zwei-Meter-Regel aufgeweicht wird, in der Schule aber nicht – zumal die Zahl der Neuinfektionen nachhaltig tief ist und andere Länder generell nur einen Meter verlangen. Wenig hilfreich sind vermeintliche Lockerungen des Bundes – etwa dass die Distanzregeln «wann immer möglich» anstatt «konsequent» respektiert werden sollen. Solch diffuse Angaben stiften Verwirrung. Klarheit könnte der Bundesrat schaffen, indem er die Abstandsregeln an den Schulen ganz kippt.

Autor

Kari Kälin

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