Kommentar

Youtuber sind gut für die Demokratie

Enorme Breitenwirkung: Youtuber Rezo in seinem Video «Die Zerstörung der CDU».

Enorme Breitenwirkung: Youtuber Rezo in seinem Video «Die Zerstörung der CDU».

Könnte auch in der Schweiz passieren, was Deutschland seit zwei Wochen beschäftigt: Dass ein bis dato unbekannter junger Mensch auf Youtube ein Video veröffentlicht, in dem er mit einer grossen Partei abrechnet («Die Zerstörung der CDU»), das dann 14 Millionen Mal angeschaut wird und womöglich dazu beiträgt, dass diese Partei bei Wahlen schlecht abschneidet?

Fragt man Schweizer Politiker, sind sie nicht besonders alarmiert, räumen aber ein, dass eine Influencer-Attacke durchaus möglich wäre. Einen Hauch von Rezo – so heisst der deutsche Youtuber – erlebte die FDP, als Comedian Michael Elsener das Parteienkürzel mit «Fuck de Planet» erklärte, was auf Social Media und an Klima-Demos enormen Widerhall fand.

Die Schweizer Parteien sollten aus der hilflosen Reaktion der CDU lernen, die «Regeln» für politische Youtube-Videos forderte. Anders als in China und in Russland darf hierzulande zum Glück jeder seine Meinung kundtun. Wenn er dabei auf Aufmerksamkeit stösst wie Rezo, hat er etwas richtig gemacht: Etwa junge Menschen abgeholt, die sich von etablierten Politikern und Medien entfremdet haben. Das mag für diese ärgerlich sein. Doch Social-MediaAkteure leisten einen Beitrag zur Demokratie. Denn diese funktioniert umso besser, je mehr Menschen am politischen Diskurs teilhaben.

patrik.mueller@schweizamwochenende.ch

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