Kommentar

Wirten und bewirtet werden: Ein urmenschliches Bedürfnis, das Vertrauen und Verbindlichkeit schafft

Auswärts essen ist ein Stück Lebensqualität und kittet unsere sozialen Bindungen. Das findet unsere Autorin.

Auswärts essen ist ein Stück Lebensqualität und kittet unsere sozialen Bindungen. Das findet unsere Autorin.

Erst wenn uns im Restaurant gegenüber sitzen, wenn wir bedient werdenIm Restaurant mit Freunden unter Fremden zu esse

Endlich wieder einen Espresso in einem Café bestellen, endlich wieder mit einem frisch gezapften Bier in der Beiz anstossen. Acht Wochen waren Restaurants, Bars und Cafés geschlossen, heute haben sie ihre Türen wieder geöffnet. Unter strengen Auflagen, mit eingeschränkten Öffnungszeiten, viel Plexiglas, Handschuhen, Masken und wenig Gästen auf viel Fläche.

Alles fühlt sich noch etwas ungewöhnlich und steif an, und doch ist es ein grosser Luxus. Denn Restaurants und Bars sind nicht systemrelevant. Niemand braucht zum Überleben ein Drei-Gang-Menü im «Rössli» oder einen Gin Tonic in der Bar. Und doch sehnen sich viele nach der ersten Stange in der Beiz. Denn es geht dabei um sehr viel mehr als ums Essen und Trinken.

Wirten und bewirtet zu werden, das ist ein urmenschliches Bedürfnis. Gaststuben sind soziale Räume, unverbindliche Treffpunkte, Auffangbecken für verlorene Seelen, wo man alleine aber nicht einsam sein kann. Wo einem ein Stuhl und ein Tisch angeboten werden, etwas Aufmerksamkeit. In einer Beiz werden aus Individuen, und sei es nur für ein paar Stunden, eine Gemeinschaft. In der ganzen Menschheitsgeschichte definierten sich Gruppen darüber, dass sie zusammen essen und dafür Regeln aushandeln mussten. Denn es ist ein intimer Akt, es zeugt von Vertrauen und Gemeinsinn. Beides ist zentral für eine Gesellschaft. Beides müssen wir nach Wochen in der Isolation schrittweise wieder lernen. Den Anfang machen wir am besten in der Quartierbeiz.

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