Apropos

Um meine Nacktheit schert sich niemand

Berichte über Frauen, die sich in Saunen belästigt fühlen, gibt es kaum noch. (Symbolbild)

Berichte über Frauen, die sich in Saunen belästigt fühlen, gibt es kaum noch. (Symbolbild)

Glotzen in der Sauna ist out. Das war nicht immer so.

Um meine Nacktheit schert sich niemand. Kein einziger Blick, kein Starren, nicht einmal ein Schielen. All die fremden Augen: schön brav auf die schwitzigen Zehen gerichtet. Obschon es hier mehr blutte Hintern zu sehen gäbe als an einem FKK-Strand in der Ex-DDR. Ich spreche von meinen wöchentlichen Saunabesuchen und davon, was ich im Schwitzbad erlebe. Nämlich nichts. Also nichts Aufregendes. Alle sind zu allen jederzeit restlos nett und unaufdringlich. Die Nacktheit der anderen scheint jedem schnurzpiepe. Zumindest tut man so.

Das war nicht immer so. «Sauna-Betreiber warnen junge Frauen vor lüsternen Blicken», titelte diese Zeitung vor gut zwei Jahren. Mehrere Beiträge über «anzügliche Männerblicke» in gemischten Saunen folgten. Die Leser diskutierten: «Darf man denn nicht mal mehr gucken?»

Nein, darf man nicht. Unaufgeforderte Blicke verletzen die Privatsphäre. Und eine gewöhnliche Sauna ist kein analoges Datingportal. Das scheint man jetzt begriffen zu haben: Berichte über Frauen, die sich in Saunen belästigt fühlen, gibt es kaum noch. Was meine Erfahrungen bestätigt. Manchmal fällt es auch mir schwer, nicht zu schauen. Doch dann streng ich mich an. Im Sinne des guten Zusammenseins, des gegenseitigen Respekts. Denn: Hüllenlos sind wir alle etwas gleicher. Vielleicht auch bald angezogen?

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