Circus Knie

SRF schenkt Familie Knie zum Jubiläum zwei Dokumentarfilme – diese fallen zu überschwänglich aus

Daniel Fuchs

In einer zweiteiligen Doku porträtiert das Schweizer Radio und Fernsehen den Schweizer Nationalzirkus – und das im Detail. Die Kurz-Analyse.

Geschlagene 200 Minuten Knie-Familiengeschichte bietet SRF in seinem Zweiteiler über den Schweizer Nationalcircus. Wer nach Sonntagabend (erster Teil) noch nicht genug hat, der kann sich die restlichen 100 Minuten heute Montagabend ansehen. Zur Primetime schenkt SRF mit der grossen Knie-Sause der Familie Knie, die sich selbst als Dynastie sieht, ein grosses Familienalbum. So viel sei gesagt: 100 Minuten hätten gereicht. 100 Minuten für 100 Jahre. Die Familie Knie macht zwar schon seit mehr als 200 Jahren Circus, ihre Premiere im Chapiteau feierte sie allerdings 1919. Vor 100 Jahren eben.

Sehen Sie die beiden Dokumentationen hier:

Youtube: 100 Jahre Tradition (1/2)

Youtube: 100 Jahre Zirkus Dynastie Knie (2/2)

Die Doku-Fiktion (mit gespielten Einspielern über die Romanze zwischen Marguerite Lippuner und dem Seiltänzer Friedrich Knie, die den Circus gründeten zum Beispiel), aktuellen Aufnahmen aus dem Circusleben und Interviews mit Familienmitgliedern und Circuskennern) erzählt die Auf und Abs der Familie, strikt chronologisch. Widersprüche werden bewusst stehen gelassen, etwa wenn die heute noch tonangebenden Knie-Erben die Geschichte verklären und dazu die Historikerin ihre schonungslose Analyse abgibt.

Etwa während des Zweiten Weltkriegs, als die Familie Existenzängste plagten, weil sie wegen des NS-Regimes an keine ausländischen Künstler mehr kam und schliesslich mit einer Vorführung in Berlin den Betrieb rettete. Hier wird es spannend, geht aber zu wenig in die Tiefe. Traten die Knies wirklich vor Adolf Hitler auf, wie das die Doku insinuiert?

Freilich, die historischen Aufnahmen von Tigern, die auf Nashörnern reiten, Elefanten, die im Neuenburgersee baden oder Auftritten Emils, die den Kabarettisten unsterblich machten, lassen in Nostalgie schwelgen. Interessant ist auch, wie die SRF-Produktion die starken Frauen bei den Knies in den Vordergrund rückt. Ansonsten gewährt der Film vor allem Einblicke in den Circusalltag. Ein grossartiges Geschenk für die Circusfamilie, für das breite Publikum aber trotz rund 3,5 Stunden Laufzeit zu oberflächlich und zu wenig kritisch. Und das betrifft nicht nur die Familie Knie.

Immerhin: Der zweite Teil ist diesbezüglich etwas besser. Zum Beispiel, wenn es ums Thema Menschenschauen im Circus geht.

Hinweis: Dynastie Knie – 100 Jahre Nationalcircus: Teil 1 und 2 auf der SRF-Mediathek.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1