Die Berner Rapperin Steff la Cheffe meint es wörtlich, wenn sie in ihrem wunderbaren Song «Ha ke Ahning» singt: «Ha ke Ahnig, ha ke Ahnig, ha ke Ahnig, chume, chume nid drus». Sie singt davon, dass sie zu allem und jedem eine Meinung haben sollte, dass sie jedoch zu vielen Themen lieber nichts sagen würde, weil sie keine Ahnung davon hat. Mit anderen Worten: In ihrem Song meint «Ke Ahnig» tatsächlich «keine Ahnung».

Die meisten andern Benutzerinnen und Benutzer der deutschen Sprache haben keine Ahnung, was sie sagen, wenn sie sagen, sie hätten keine Ahnung. Keine Ahnung haben hiesse nämlich, in einer Frage oder in einem Zusammenhang wirklich ahnungslos zu sein. Das scheint nicht so schwer verständlich, würde man meinen. Dennoch ist es im gegenwärtigen Sprachgebrauch ziemlich normal geworden, zunächst zu betonen, man habe keine Ahnung, um dann gleich darauf ein paar Ahnungen zu äussern. In einem Dialog klingt das zum Beispiel so: «Können Sie mir sagen, wie ich zum Standesamt komme?» – «Keine Ahnung, das muss wohl irgendwo in der Altstadt sein, ich glaube dort in jener Seitengasse der dritte Eingang.» – «Und wissen Sie, wie lange es offen hat?» – «Keine Ahnung, bis fünf wahrscheinlich oder vielleicht bis halb sechs.»

Wenn man so spricht, ist das Wortpaar «keine Ahnung», das in heutiger Umgangssprache oft als Einstiegsfloskel zu einer Antwort gebraucht wird, komplett fehl am Platz. Man müsste in Fällen, in denen man zwar eine Ahnung, aber keine Gewissheit hat, nicht behaupten, man habe keine Ahnung. Schlauer wäre es zu sagen, man habe sehr wohl eine Ahnung, aber keine Gewissheit. Interessanterweise ist die Ahnung nämlich gerade jetzt, wo sie meist negiert wird, wichtiger denn je. In einer Zeit, in der man das gesamte Wissen in der Hosentasche mit sich rum trägt, muss man weniger im Kopf behalten als früher. Oft reicht eine leise Ahnung, damit man sich mittels Suchmaschine Gewissheit verschaffen kann.

Manchmal helfen einem auch die Mitmenschen, die behaupten, keine Ahnung zu haben, aber alles noch in ihren Köpfen abgespeichert haben. Nehmen wir an, jemand ahne nur, möchte nun aber gerne wissen, wie der Maler hiess, dessen Bilder er vor vielen Jahren in jenem Museum in Paris besucht hat. Mit etwas Glück genügt die Ahnung, einmal dort gewesen zu sein, um es fragend herauszufinden. «Du Albert, in welchem Jahr waren wir in Paris?» – «Keine Ahnung, es muss 1998 gewesen sein.» – «Und wie hiess noch des Museum, das wir damals besucht haben?» – «Keine Ahnung. Du meinst wahrscheinlich, das Musée d Orsay.» – «Und wer war der Maler, der uns damals so beeindruckt hat?» – «Keine Ahnung. Renoir.»

Es ist nicht immer angenehm, mit Leuten zusammen zu sein, die sich schlauer und wissender gebärden, als sie wirklich sind. Ist man jedoch von Leuten umgeben, die alles wissen und stets behaupten, sie hätten keine Ahnung, ist es auch nicht besser.

Keine Ahnung, aber dagegen müsste die Sprachpolizei unbedingt einmal etwas unternehmen.