Die Hängepartie ist vorüber: Europas wichtigster Staat erhält ein halbes Jahr nach den Wahlen eine neue Regierung. Das ist in Zeiten der politischen Verwerfungen in der Welt eine gute Nachricht. Das überraschend deutliche Ja zur Grossen Koalition ist freilich auch aus Angst vor den riskanten Folgen von Neuwahlen zustande gekommen.

Es ist aber auch Ausdruck dafür, dass die Parteibasis die Verantwortung für das Land nicht einfach von sich weist. Die SPD hat das Land über die Partei gestellt. Dafür gebührt ihr Respekt.

Die letzten Monate haben aber auch deutlich gezeigt, wie gespalten die SPD ist. Die neue Parteiführung um Andrea Nahles muss die Erneuerung der Partei angehen, sonst bleibt es unruhig in der SPD. Zur Erneuerung gehört auch, dass die Partei Antworten liefert auf die Probleme im Land.

Auf die gesellschaftliche Spaltung oder die nach wie vor gewaltigen Unterschiede zwischen Ost und West. Auf die Gesellschaft kommen Herausforderungen durch die Digitalisierung zu, verknüpft mit der Frage, welche Folgen diese für die Arbeitnehmer hat. Und die SPD darf sich auch der Debatte über die Folgen der Zuwanderung nicht verschliessen.

Für Angela Merkel ist das SPD-Votum ein Segen, Neuwahlen hätten sie geschwächt. Merkel kann nun recht beruhigt in ihre vierte Amtszeit gehen. Erst vor einer Woche hat sie die Kritiker in ihren Reihen mit der Zusammensetzung der neuen Ministerriege beruhigt, mit ihrer neuen Generalsekretärin bringt sie eine mögliche Nachfolgerin in Stellung.

Ungemütlicher dürfte das Regieren für Merkel trotzdem werden. Es ist nicht davon auszugehen, dass die SPD mit Blick auf ihre kritische Basis so loyal an der Seite der Kanzlerin weiterregiert wie die letzten Jahre. Nicht zuletzt auch mit dem Wissen darum, dass die CDU nach der Ära Merkel 2021 vor einer kompletten Erneuerung stehen wird.