Das letzte Mal, dass die Note 1 derart grosse Wellen warf, ist fast drei Jahre her. Damals wollte St. Gallen als erster Kanton die Noten 1 und 2 komplett aus dem Zeugnis verbannen. Die Begründung: Mit dem Lehrplan 21 reiche eine ungenügende Note, um zu zeigen, dass die Lernziele und Kompetenzen nicht erreicht wurden. Die Noten 1 und 2 seien lediglich ein Mittel der Bestrafung. Nun zeigt sich: Es hat sich nicht viel geändert. Die Form der Zurechtweisung ist aktueller denn je. Wie am Dienstag publik wurde, hat ein Westschweizer Gymnasium Jugendlichen die Note 1 gegeben, weil sie wegen des Klimastreiks eine Prüfung verpasst haben.

Das ist ein Fehler. Eine schlechte Note ist eine schlechte Bestrafung. Noten bewerten die Leistung, sie sind kein Mittel der Abstrafung. Die Note 1 kann einen Schaden anrichten, der die Chancen der Jugendlichen über Jahre schmälert. Es gäbe bessere Massnahmen, mit den Schulstreiks umzugehen. Mit dem Tatendrang und den Emotionen der Jugendlichen bieten sich den Schulen sogar Chancen, den Unterricht so kreativ zu gestalten, wie es bei keinem anderen Thema möglich wäre. Jugendliche könnten als Kompensation Projektarbeiten schreiben, wie jeder Einzelne seinen Teil zum Klimaschutz beitragen kann. Oder sie sollten beim Nachsitzen selber kreative Ideen finden. So können die Jugendlichen nicht nur ihr Anliegen vertreten, sondern würden auch viel Neues lernen. Das ist entscheidend, wenn sie der Schule wegen der Demonstrationen häufiger fernbleiben. Denn der Streik für eine bessere Zukunft darf nicht in einer schlechteren Bildung enden.

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