Die Wette sei gewagt: Die Ohrfeige für Roger Schawinski durch SRF-Ombudsmann Roger Blum, der alternde Talkmaster habe die «Menschenwürde» seines Interviewgastes Salomé Balthus verletzt, wird dessen TV-Karriere eher verlängern, wenn auch nur kurz. Denn als Rentner ist Schawinskis Zeit ohnehin abgelaufen; das von ihm ausgelöste Skandälchen sollte jedoch nicht Anlass des Abgangs sein.

So, wie sich Geschichte als Farce wiederholt, ist der jüngste Aufreger, den er fabrizierte, bloss ein lauer Aufguss eines echten Skandalons. Mehr eine von Narzissten getragene Abfolge von Pleiten, Pech und Pannen. Angefangen bei seiner Art der Befragung, die seit je mit spöttischer Herabsetzung provoziert. Die Wirkung ist potenziell menschenverachtend, aber niemand, der ihn kennt, wird ihm dies als Absicht unterstellen – was es nicht besser macht.

Balthus scheint twitternd, erst nach der Aufzeichnung der Sendung, auf die Idee gekommen zu sein, mit einer unangemessenen Frage konfrontiert worden zu sein. Sie verfasste eine Kolumne, die erschien, bevor der Talk tatsächlich ausgestrahlt wurde. Gekränkt intervenierte Schawinski, die Zeitung strich die Kolumne, was der Autorin mehr Publizität verschaffte, als die Fortführung ihr je verschafft hätte.

Fugenlos folgt der letzte Akt: Ombudsmann Blum verfasst auf Klagen eine Stellungnahme, in der er Schawinski gleichzeitig in den Medien-Olymp hebt wie in den Hades verbannt. Auch Blum geht es um grösstmöglichen Effekt. Er streut sein Schreiben breit mit einer absurd langen Sperrfrist bis zur erlaubten Veröffentlichung und ist dann pikiert, als diese gebrochen wurde.

Immerhin, das vorgetragene Stück hat Unterhaltungswert.